BAföG beantragen, Studienkredite und Co.: So planst du deine Studienfinanzierung

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Keine Frage: Ein Studium bringt dir viele Vorteile für deine Karriere. Doch die Studienzeit will auch finanziert werden. Nicht jeder hat wohlhabende Eltern, die monatlich für die Studienkosten aufkommen können. Eine Konsequenz ist häufig die Entscheidung gegen das Studium oder der spätere Studienabbruch aufgrund von Geldsorgen. Viele angehende Studierende wollen BAföG beantragen, aber bekommen im nachhinein keine oder nur wenig Unterstützung durch das BAföG. Doch neben den „Klassikern“ wie BAföG und einem Nebenjob gibt es noch weitere Möglichkeiten, dein Studium zu finanzieren. In diesem Artikel haben wir Informationen und Tipps für die bisher genannten, aber auch für alternative Finanzierungsmöglichkeiten.

Geldsorgen: ein häufiger Grund für den Studienabbruch

Immer mehr junge Menschen in Deutschland entscheiden sich zu studieren, um ihre Karriere voranzubringen und die bestmöglichen Startvoraussetzungen für den Job zu schaffen. Doch die Finanzierung des Studiums ist nicht immer einfach. Laut einer Umfrage von Univativ sind Sorgen um die Studienfinanzierung für 29 Prozent der Studentinnen und Studenten ein Grund, über den Studienabbruch nachzudenken.

Dabei gibt es viele Fördermöglichkeiten, die besonders günstige Konditionen für Studis anbieten. Hier zeigen wir dir, welche Finanzierungsarten es gibt und ob diese die richtigen für dich sind.

Studienfinanzierung ohne Rückzahlung

Die bequemste Variante ist natürlich die Finanzierung deines Studiums, ohne dass du später Geld zurückzahlen musst. So kannst du ganz entspannt und ohne Schulden in dein Berufsleben starten, ohne eventuelle Rückzahlungen im Hinterkopf haben zu müssen.

1) Unterhalt der Eltern: das steht dir für dein Studium zu

Laut des Bürgerlichen Gesetzbuches sind Eltern auch gegenüber ihrer volljährigen Kinder in der Ausbildung unterhaltspflichtig. Der Unterhalt muss demnach so hoch sein, dass er für den Lebensunterhalt ausreicht. Dieser muss nicht zwangsläufig in Geld gezahlt werden. Wenn du zum Beispiel noch bei deinen Eltern wohnst oder sie deine Lebensmittel zahlen, zählt auch das als Unterhalt. Sollte es der Familie nicht möglich sein, ihr Kind während des Studiums finanziell zu unterstützen, stellt der Staat BAföG zur Verfügung.

Wichtig: Eltern sind nur bis zur ersten berufsqualifizierenden Ausbildung oder Hochschulabschluss unterhaltspflichtig. Beim Kind gibt es keine Altersgrenze. Wenn du neben deinem Studium noch selbst Geld verdienst, mindert das die Unterhaltspflicht deiner Eltern.

2) Kindergeld im Studium

Kindergeld steht dir bis zum vollendeten 25. Lebensjahr oder bis zum Ende deiner Ausbildungszeit zu. Derzeit beträgt das Kindergeld 192 Euro monatlich und erhöht sich, wenn deine Eltern mehrere Kinder haben. Es wird auch in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten für bis zu vier Monate gezahlt, wie z.B. die Übergangszeit vom Abitur zum Studium oder vom Bachelor zum Master. Auch wenn du verheiratet bist, hast du noch Anspruch auf Kindergeld, wenn das verfügbare Einkommen deines Ehepartners oder deiner Ehepartnerin zu gering ist.

3) Jobben zur Studienfinanzierung

Kellnern, Inventuren, Kassieren: wohl fast jeder Studierende hat schon mal einen Nebenjob gehabt, um im Studium besser über die Runden zu kommen. Du kannst im Studium monatlich bis zu 450 Euro steuerfrei hinzuverdienen. In den Semesterferien gelten spezielle Regelungen. Wenn du Fördermittel wie beispielsweise BAföG beziehst, musst du aber spezielle Einkommensgrenzen beachten, damit das Gehalt deines Nebenjobs nicht angerechnet wird.

Der Vorteil an Nebenjobs: sie bringen nicht nur Abwechslung zum Studienalltag und einen finanziellen Zuschuss. Auch bei Bewerbungen in Unternehmen werden Nebenjobs gern gesehen, denn so zeigst du Engagement und Organisationstalent. Besonders interessant im Hinblick auf deine spätere Karriere ist ein Job als studentische Hilfskraft. So kannst du wertvolle Erfahrungen sammeln, geschäftliche Kontakte knüpfen und gleichzeitig noch Geld verdienen.

4) Stipendien – die Studienfinanzierung nicht nur für Überflieger

Das Ziel von Stipendien ist es, Studentinnen und Studenten zu fördern, um ihnen die entsprechende Ausbildung zu ermöglichen. Entgegen der landläufigen Meinung musst du jedoch kein Genie sein, um ein Stipendium zu erhalten. Die verschiedenen Stipendien wählen ihre Stipendiaten nach ganz unterschiedlichen Merkmalen aus. Das können zum Beispiel soziales Engagement, persönliche Motivation oder auch besondere Interessen sein. Um herauszufinden, welche Stipendien für dich in Frage kommen, gibt es zahlreiche Stipendiendatenbanken, die du ganz einfach online finden kannst (z.B. vom BMBF). Wenn du ein Stipendium erhältst, hast du nicht nur weniger Stress bei der Studienfinanzierung und kannst entspannter studieren. Ein Stipendium bringt dir auch einen tollen Pluspunkt für deinen Lebenslauf und du kannst häufig auch von den Kontakten des Stipendiumsträgers profitieren. Eine Bewerbung lohnt sich also auf alle Fälle!

5) Erstwohnsitzprämie – ein kleiner Zuschuss zur Studienfinanzierung

Einen kleinen Zuschuss zur Finanzierung des Studiums bekommt man in vielen Städten wie z.B. Berlin, Mannheim oder Braunschweig durch die sogenannte Erstwohnsitzprämie. Diese erhältst du, wenn du deinen Erstwohnsitz beim Einwohnermeldeamt in der eigenen Hochschulstadt anmeldest. Die Höhe variiert je nach Stadt – einige Städte bieten eine einmalige Zahlung, während andere jedes Semester einen Betrag überweisen oder mit Gutscheinheften oder Sachprämien locken. Erkundige dich einfach mal in deiner Hochschulstadt, welche Erstwohnsitzprämien sie anbietet!

6) Wohnungskostenzuschuss – so finanzierst Du Dir Deine Wohnung 

Du brauchst Unterstützung für die Finanzierung deiner Wohnung? Da hilft dir der Wohnungskostenzuschuss weiter, der dich bei ungedeckten Kosten für Unterkunft und Heizung unterstützt. Du kannst den Antrag bei der Arbeitsagentur stellen. Besonders lohnt sich dieser, wenn du noch bei deinen Eltern wohnst und diese Sozialleistungen oder Arbeitslosengeld II erhalten. Voraussetzung für den Wohnkostenzuschuss ist ein sehr geringes Einkommen und eine angemessene Miete.

7) Wohngeld

Auch der Antrag für Wohngeld kann dir die Finanzierung deines Studiums erleichtern, indem es – wie der Name schon sagt – deine Wohnung fördert. Auf Wohngeld hast du nur Anspruch, wenn du kein BAföG oder keine anderen Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehst, da die Kosten für Unterkunft in diesen bereits inbegriffen sind.

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Studienfinanzierung mit Rückzahlung

Bei dieser Art der Studienfinanzierung musst du einen Teil oder die Gesamtsumme des erhaltenen Geldes für dein Studium später zurückzahlen. Hier gibt es zahlreiche Angebote, deren Konditionen sehr verschieden sind.

1) BAföG beantragen – der Klassiker unter der Studienfinanzierung

Wer sich mit dem Thema Studienfinanzierung beschäftigt, kommt am Thema BAföG nicht vorbei. BAföG steht für Bundesausbildungsrderungsgesetz und hat zum Ziel, die Chancengleichheit im Bildungswesen zu erhöhen und auch einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Das BAföG wird vom Staat gezahlt und steht deutschen Staatsangehörigen und in bestimmten Fällen auch EU-Bürgern zu. Den Antrag auf BAföG stellst du i.d.R. beim Studentenwerk deiner Hochschule. BAföG kannst du nur für deine erste Ausbildung oder dein erstes Studium beantragen – Ausnahmen sind aber auch hier unter bestimmten Umständen möglich. Auch ein Studium im Ausland kann durch BAföG gefördert werden, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Die Antragstellung wird häufig als mühsam empfunden, weil viele Unterlagen zusammengestellt werden müssen. Zwei Tipps: Lass‘ dich im zuständigen Amt deiner Stadt beraten. Sie können dir alle Fragen zum Antrag beantworten und geben dir direkt alle wichtigen Formblätter und Informationen dazu mit, welche Unterlagen du mitschicken solltest. Oder: Führe die Antragstellung einfach online aus.

BAföG-Höchstsatz

Ob und in welcher Höhe dir BAföG zusteht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die individuell geprüft werden. Generell wird zwischen elternunabhängigem und elternabhängigem BAföG unterschieden. Der Höchstsatz für die Förderung liegt derzeit bei 735 Euro monatlich. In der Regel erhältst Du BAföG nur bis du 30 Jahre alt bist, bei Masterstudiengängen gibt es allerdings Ausnahmen.

Das sind die Vorteile des BAföGs

Der Vorteil am BAföG: du musst in der Regel nur die Hälfte der Förderung zurückzahlen und diese ohne jegliche Zinsen. Die Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer. Die Summe, die du zurückzahlen musst, hängt von deinem BAföG-Satz ab, maximal sind es jedoch 10.000 Euro. Außerdem darfst bis zu 450 Euro monatlich durch einen Nebenjob hinzuverdienen, ohne dass diese dir auf das BAföG angerechnet werden.

2) Bildungsfonds – so bekommst du ihn gewährt

Bildungsfonds werden nicht über den Staat, sondern über Institutionen oder private Geldgeber finanziert. Und so funktioniert’s: Vorab wird ein Prozentsatz deines zukünftigen Bruttogehalts sowie eine Zeitspanne festgelegt, in der du deine Studienförderung zurückzahlen musst. Um für einen Bildungsfond in Frage zu kommen, musst du mindestens 18 Jahre alt und EU-Staatsbürger sein. Er wird wird für ein erstes Bachelor-, Master- oder Promotionsstudium gezahlt. Außerdem musst du die Zusage einer staatlich anerkannten Hochschule haben und ggf. weitere Bewertungskriterien erfüllen.

Dein Vorteil: wenn du nur mit einem geringen Gehalt in den Job einsteigst oder arbeitslos wirst, musst du bei dieser Finanzierungsmethode immer nur so viel zurückzahlen, wie du es dir in deiner jeweiligen Lebenssituation leisten kannst. Du läufst also nicht Gefahr, dich zu verschulden und kannst von Vornherein gut kalkulieren.

3) Studienkredite – Zahle dein Studium durch zinsgünstige Darlehen

Bei einem Studienkredit leihst du dir Geld für deine Ausbildung und zahlst die geliehene Summe plus der Zinsen über einen bestimmten Zeitraum wieder zurück. Bei dem Wort Kredit denkst du wahrscheinlich zuerst einmal an hohe Zinsen. Aber keine Angst: Studienkredite haben i.d.R. einen sehr niedrigen Zinssatz. Die genauen Konditionen hängen aber immer von Kreditgeber ab.

Im Nachfolgenden zeigen wir dir verschiedene Varianten von Studienkrediten zur Finanzierung deines Studiums:

Studienbeitragsdarlehen – so kannst du deine Studiengebühren zahlen

Studienbeitragsdarlehen sind speziell für die Zahlung von Studiengebühren gedacht. Diese sind nicht in allen Bundesländern fällig – informiere dich also, ob sie in deinem Bundesland erhoben werden. Den Antrag für das Darlehen musst du bei der jeweiligen Landesbank oder bei der KfW Förderbank stellen. Die Konditionen richten sich nach dem Landesangebot, in dem sich deine Hochschule befindet. Auch abhängig vom Land ist die jeweilige Altersgrenze, bis zu der das Studienbeitragsdarlehen gewährt wird. Informiere dich einfach bei der jeweiligen Landesbank!

Studienabschlussdarlehen

Stehst du kurz vor Abschluss deines Studiums und musst eine kürzere Zeitspanne finanziell überbrücken, kommt eventuell ein Studienabschlussdarlehen in Frage. In Berlin, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es Darlehenskassen, die dir in diesen Fällen ein zinsloses oder ein Darlehen mit sehr niedrigen Zinsen gewähren. Die Bedingungen variieren je nach Kasse, informiere dich also am besten direkt bei der für dich zuständigen Stelle. In der Regel lässt sich aber sagen, dass du dich in den letzten 24 Monaten des Studiums befinden musst, dein Studienabschluss also in greifbarer Nähe ist.

Bildungskredit

Bildungskredite sollen die Studierenden unterstützen, die zwar kein BAföG bekommen, aber durch ihr Studium dennoch besonders hohe Ausgaben durch Studiengebühren, Arbeitsmaterialien, Exkursionen, Bücher o.a. haben. So kannst du dein Studium beschleunigen und musst dir keine Sorgen um finanzielle Dinge machen. In vielen Fällen ist ein Bildungskredit aber auch neben dem BAföG möglich. Der Bildungskredit ist komplett unabhängig von deinem oder dem Einkommen deiner Eltern oder deines Ehepartners.

Die Voraussetzungen für einen Bildungskredit

Der Bildungskredit kommt für dich nur im fortgeschrittenen Studium in Frage. Eine der folgenden Voraussetzungen musst du erfüllen, damit du einen Bildungskredit erhältst:

  • Du musst mindestens die Zwischenprüfung bestanden haben oder
  • den Teil eines Konsekutivstudiengangs erfolgreich abgeschlossen haben oder
  • in einen Master- oder Magisterstudiengang eingeschrieben sein oder
  • ein Zusatz-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium betreiben oder
  • eine schriftliche Erklärung deiner Hochschule vorlegen, in der steht, dass in deinem Studiengang keine Zwischenprüfung vorgesehen ist und du die für deine Ausbildungsjahre vorgesehenen Leistungen erbracht hast
  • Außerdem darfst du nicht älter als 36 Jahre sein, um diese Form der Studienfinanzierung in Anspruch nehmen zu können.

So kannst du den Bildungskredit zurückzahlen

Mit dem Bildungskredit kannst du dein Studium für maximal zwei Jahre mit bis zu 300 Euro monatlich fördern lassen. Mit Beginn der ersten Auszahlung sind die ersten vier Jahre tilgungsfrei – das heißt, du musst in diesem Zeitraum nichts zurückzahlen. Danach musst du i.d.R. 120 Euro pro Monat tilgen. Solltest du einen Teil oder die ganze Summe früher zurückzahlen wollen, kannst du dies ohne zusätzliche Kosten jederzeit tun. Da der Bildungskredit durch die Bundesregierung finanziell gestützt wird, sind die Zinskonditionen i.d.R. besonders günstig. Im Jahr 2016 lagen sie gerade mal bei unter einem Prozent. Den Antrag auf einen Bildungskredit stellst du beim Bundesverwaltungsamt.

BAföG-Bankdarlehen

Das BAföG-Bankdarlehen ist für Studentinnen und Studenten gedacht, die kein BAföG mehr erhalten und dennoch eine finanzielle Unterstützung benötigen, um ihr Studium zu beenden. Du kannst diese Förderung auch zur Finanzierung eines Zusatz-, Aufbau- oder Ergänzungsstudiums beantragen. Auch hier gibt es besonders günstige Zinskonditionen von i.d.R. unter einem Prozent. Um das BAföG-Bankdarlehen in Anspruch zu nehmen, werden keine Sicherheiten verlangt. Die Förderungsdauer beträgt maximal ein Jahr.

Mit der Rückzahlung des BAföG-Bankdarlehens musst du 18 Monate nach Beendigung deines Studiums beginnen. Monatlich musst du dann mindestens 105 Euro zurückzahlen und innerhalb von 20 Jahren musst du die Gesamtsumme inkl. Zinsen getilgt haben.

Studienfinanzierung: das Fazit

Du siehst: es muss nicht immer der klassische Nebenjob oder das altbekannte BAföG sein, um dein Studium zu finanzieren. Der Artikel hat dir gezeigt, dass Staat, Unternehmen und auch private Investoren verschiedene Möglichkeiten bieten, dich in deinem Studium finanziell zu unterstützen. Die Konditionen sind i.d.R. sehr gut, so dass du die Rückzahlung mit Beginn deiner beruflichen Karriere gut stemmen kannst.

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