Das digitale Ich: Selbst bestimmen, was nach außen geht

Das digitale Ich

Ob wichtige Ereignisse wie Hochzeiten oder Alltägliches wie das leckere Essen aus dem Restaurant oder die letzte Sporteinheit – heute teilen wir ziemlich viele Bereiche aus unserem Leben online. Dem eigenen Leben wird in der Online-Welt immer mehr Raum gegeben – und der Trend ist weiterhin steigend. Doch wohin wird sich das digitale Ich noch entwickeln? Wie kannst du deine Online-Identität gestalten und dich gleichzeitig vor Gefahren schützen?

Überblick Das digitale Ich

Stimmung, Aktivitäten, Einkäufe oder Schlafüberwachung: mittlerweile gibt es im Internet und auf dem Smartphone für so ziemlich jeden Bereich unseres täglichen Lebens Applikationen. Das Sammeln von Daten über sich selbst ist eine spannende Sache und kann sich sogar motivierend auf den User oder die Userin auswirken. Wer freut sich schließlich nicht über „Likes“ auf Facebook nach einem anstrengenden Lauf?

Ganz nach dem Motto „Ich bin, was ich teile“ bauen wir uns heutzutage eine umfangreiche Online-Identität auf. Der Schrittzähler misst unseren tagtäglich zurückgelegten Weg, mit anderen Apps werden aufgenommene Kalorien aufgezeichnet, der Schlaf getrackt oder das aktuelle Lieblingslied geteilt. Wir empfehlen Freunden via Facebook die tolle AirBnb-Wohnung in Bangkok und bewerten besuchte Restaurants und Hotels auf TripAdvisor. Mit jedem dieser Schritte hinterlassen wir Fußabdrücke im Netz und produzieren so eine Menge Daten, mit denen ein ziemlich genaues Persönlichkeitsprofil erstellt werden kann – wohl um einiges genauer, als sich die Meisten von uns vorzustellen vermögen.

Digital von Kindesbeinen an

Generell wird heutzutage das digitale Ich schon bei der Geburt in den Blickpunkt gestellt. Viele Eltern posten voller Stolz Fotos ihrer Neugeborenen im Internet. Wenn die Kinder größer werden, wird das Wachstum ständig dokumentiert und die ersten Gehversuche via Instagram und Co. mit der Welt geteilt. Eltern entscheiden so lange über das digitale Ich ihres Nachwuchses, bis das Kind lesen und schreiben kann.

Spätestens mit dem ersten eigenen Smartphone übernehmen die Kinder das digitale Ich und lernen spielerisch den Umgang mit dem Internet. Im Jugendalter nutzen sie dann bewusst Social-Media-Angebote wie Snapchat oder YouTube und sind bei neuen Trends immer ganz vorne mit dabei. Gerade weil sie mit den neuen Medien groß geworden sind, gehen Viele von ihnen ziemlich sorglos mit der eigenen Privatsphäre um und machen sich um eventuelle zukünftige Konsequenzen ihres Handelns keine Gedanken. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Kinder frühzeitig den kompetenten Umgang mit den digitalen Medien kennenlernen.

Und auch viele Erwachsene müssen sich erst noch in der digitalisierten Welt zurechtfinden, denn im Gegensatz zu ihrem Nachwuchs sind sie noch nicht mit WhatsApp, Facebook und Co. groß geworden. Wir müssen uns fragen: Was passiert mit unseren Daten im Internet? Welche Informationen haben nichts im Netz zu suchen? Wer kann eigentlich sehen, was ich poste?

Wie dein Online-Profil …

Bei all den positiven Entwicklungen und tollen Möglichkeiten der digitalen Welt musst du also auch immer im Hinterkopf behalten, dass Deine Daten mitnichten nur dein Freundeskreis sieht. Zwar kannst du dank Privatsphäre-Einstellungen teilweise mitbestimmen, wer deine Einträge sieht. Dennoch solltest du immer im Hinterkopf behalten: was einmal im Internet ist, bleibt auch dort. Nicht umsonst heißt es auch „das Internet vergisst nie“. Und oft sind Datenschutzeinstellungen und -Richtlinien für einen Laien undurchschaubar und unverständlich.

Behalte am besten immer im Hinterkopf, dass Deine Daten für Unternehmen sehr viel wert sind – sie ermöglichen Firmen, noch mehr über ihre Zielgruppe zu erfahren und so passgenauere Werbung auszuspielen oder neue Produkte zu entwickeln. Einige Krankenkassen bezuschussen sogar den Kauf einer Apple Watch und erhalten auf diesem Wege umfangreiche Gesundheitsdaten über Ihre Mitglieder – ein weiterer Schritt in Richtung „Gläserner Kunde“. Und unsere digitale Identität hat auch Auswirkungen auf unser Arbeitsleben: auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für einen Job suchen Headhunter nicht selten nach interessanten und überzeugenden Profilen auf XING oder LinkedIn.

Risiken einer Online-Präsenz

Das ist natürlich nicht alles per se schlecht – im Gegenteil, schließlich profitieren wir beispielsweise durch innovative Produkte von diesen Entwicklungen. Dennoch sollten wir immer ein Auge darauf haben, welche Informationen wir im Netz teilen und uns genau überlegen, ob diese wirklich für jeden öffentlich zugänglich sein sollten. Bei einer Bewerbung beispielsweise kann dich ein Foto von dir auf einer ausufernden Party nach einer kurzen Internetrecherche des Personalmanagements recht schnell ins Aus befördern – auch wenn es schon ein paar Jahre alt ist.

Neben der gläsernen Persönlichkeit birgt das natürlich auch Risiken mit sich, wenn Fremde Zugriff auf deine Daten haben. Mobbingattacken oder auch Einbrüche sind hier nur zwei Beispiele. Wenn du dein ganzes Leben online offenlegst, bietest du Anderen private Informationen, nach denen sie früher lange suchen mussten. Ein Urlaubsfoto von dir unter Palmen am Strand lässt potenzielle Einbrecher beispielsweise sofort wissen, dass du nicht zu Hause bist.

Eine weitere Gefahr ist der Identitätsdiebstahl. Werden dein Name, Foto und dein Geburtsdatum gestohlen, können sich die Täter leicht finanzielle Vorteile verschaffen oder in deinem Namen kriminelle Handlungen begehen.

Trennung von Privat- und Berufsleben als Lösung?

Nun fragst du dich vielleicht, ob eine strikte Trennung zwischen Privat- und Berufsleben im Netz die Lösung ist? Du solltest auf jeden Fall wissen, dass diese mit viel Aufwand verbunden ist. Zwar hast du die Möglichkeit, privat unter einem Pseudonym zu agieren, so dass die beispielsweise von potenziellen Arbeitgebern nur sehr schwer gefunden wirst. Allerdings ist es dann auch für deine Freunde schwerer, dich im Netz ausfindig zu machen. Für deine berufliche Karriere musst du auf jeden Fall unter deinem Klarnamen zu finden sein und dabei genau darauf achten, welche Aussagen, Bilder und Co. du im Internet veröffentlichst.

Unser Tipp: Gib deinen Namen regelmäßig bei Google ein und finde heraus, in welchen Kontexten dein Name auftaucht. Das gibt dir ein ziemlich gutes Bild, was andere über dich im Netz herausfinden können.

Und nach dem Tod?

„Was passiert eigentlich mit meinem digitalen Ich, wenn ich sterben sollte?“ Diese Frage will natürlich keiner stellen, aber sie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Oft haben die Hinterbliebenen Probleme damit, überhaupt zu sehen, wo Profile angelegt wurden – auch wenn aus gesetzlicher Sicht der Datenschutz nach dem Tod endet. Facebook bietet beispielsweise die Möglichkeit, das Profil auf Antrag zu löschen oder in einen Gedenkstatus zu versetzen. Andere bieten hingegen kaum Optionen.

Hier hilft ein Dokument, auf dem alle öffentlichen Profile stehen sollten und das beim Notar hinterlegt wird. Darüber hinaus gibt es bereits digitale Nachlassverwalter wie Secure Safe, wo einer oder mehrere Erbberechtigte auf die Daten zugreifen können und sich um die Abwicklung der Profile und Konten kümmern können.

Fazit: Das digitale Ich

Die Lebenschronik bei Facebook, private Fotos bei Instagram, der Wunschzettel bei Amazon oder der Lebenslauf bei XING – so sieht der Alltag vieler Menschen im digitalen Zeitalter aus. Das digitale Ich entwickelt sich von der Geburt bis zum Tod. Hier ist es wichtig, sich von vornherein Gedanken über die eigene Darstellung im Netz zu machen. Wie du gelesen hast, bietet es zahlreiche Vor- (Karriere, Kontakte) aber auch Nachteile (Identitätsdiebstahl, Mobbing).

Alles, was du nicht im Netz veröffentlichen möchtest, solltest du auch offline lassen. Befolgst du diese Regel, kann auch nicht so viel passieren.

Mehr über dieses Thema erfährst du im MOOC „Mein digitales Ich“ von oncampus. Dort lernst du mehr darüber, wie du deine Online-Identität gestalten und für deine persönlichen Ziele nutzen kannst. Und auch welche Fotos von Dir in die Öffentlichkeit gelangen sollen. Unterschiedliche Experten sprechen über die wichtigsten Fragen und wie du dich am besten im Internet verhalten solltest. Schau‘ doch mal vorbei. Der Kurs ist kostenlos und wird von Nina Oberländer sowie Joachim Sucker durchgeführt.

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