Die Hanse – Die Geschichte einer Wirtschaftsmacht

Die Hanse war eines der größten Städte- und Wirtschaftsbündnisse der deutschen Geschichte. Jahrhundertelang hat sie die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung im Nord- und Ostseeraum geprägt. Und auch heute noch begegnet einem die Hanse immer wieder. Städte wie Lübeck, Hamburg, Rostock oder Bremen tragen noch heute die Bezeichnung „Hansestadt“ im Namen. Im Jahr 2015 wurde in Lübeck das Europäische Hansemuseum feierlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet. Doch die Wenigsten kennen heutzutage die ganz genauen Hintergründe des mächtigen Bündnisses. In diesem Artikel erfährst du mehr über die Entstehung der Hanse und ihre Bedeutung in der damaligen Zeit.

Die Hanse im Wandel der Zeiten

Die Hanse – Die meisten Leute sind spätestens im Geschichtsunterricht schon einmal auf dieses bedeutsame Städte- und Wirtschaftsbündnis gestoßen. Vor allem im Norden Deutschlands wird man an vielen Ecken immer wieder an die Hanse und ihre Geschichte erinnert. Alte Gebäude wie das Holstentor, Museen, Denkmäler – sie alle erinnern an die Vereinigung deutscher Kaufleute, die von der Mitte des 12. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bestand.

Doch wie entstand die Hanse eigentlich genau? Welche Bedeutung hatte sie für den Handel der damaligen Zeit? Und was wird getan, damit die Geschichte der Hanse noch heute lebendig bleibt? In diesem Artikel kannst du dein Wissen zur Hanse auffrischen und wirst sicherlich das ein oder andere Neue lernen.

Die Anfänge der Hanse

Anders als bei vielen Ereignissen der Geschichte kann die Entstehung der Hanse nicht an einem bestimmten Datum festgemacht werden. Sie entwickelte sich vielmehr mit der Zeit aus losen Bündnissen, in denen sich deutsche Kaufleute aus einer Region in Reisegruppen zusammenschlossen.

Diese Fahrgemeinschaften hatten den Vorteil, dass sie auf den langen Reisen besser geschützt waren und gleichzeitig ihre wirtschaftlichen Interessen im In- und Ausland besser vertreten konnten. Der früheste Nachweis für diese Art von Zusammenschlüsse berichtet über eine Gruppe von Kaufleuten in London, die Schafwolle dort günstig erwarben und zurück in der Heimat teuer verkauften.

Eines gilt jedoch als sicher: Ein entscheidender Beitrag zur Entstehung der Hanse war die Gründung der Stadt Lübeck im Jahr 1143. Das lag vor allem an Lübecks einfachem Zugang zur Ostsee, der für den Handel auf dem Seeweg optimal war. Denn über die Ostsee konnte Westeuropa mit Russland und dem Orient handeln und kam so an Rohstoffe wie Holz, Getreide, Wachs und Pelze.

Umgekehrt wurden aus Westeuropa Fertigprodukte wie Tuch oder Wein gen Osten verkauft. Der so entstandene Ost-West-Handel begünstigte die Entstehung von oben genannten Fahrgemeinschaften. Noch heute spricht man daher von der Stadt Lübeck als der Königin der Hanse.

Die ersten Städtebündnisse

Der florierende Handel fiel allerdings in eine politisch instabile Zeit. Der Kampf zwischen Friedrich dem II. auf der einen Seite und dem Papsttum auf der anderen Seite sorgten für unsichere Zeiten. Um eine möglichst sichere Überfahrt für ihre Kaufleute zu garantieren, schlossen sich daher verschiedene Städte zu Schutzbündnissen zusammen. Während man vorher noch von der Kaufmannshanse sprach, entwickelte sich nun die Städtehanse, wie sie später in die Geschichte einging.

So schlossen sich bereits 1241 die Städte Lübeck und Hamburg zu einem kleinen Städtebund zusammen. Lübeck, Wismar und Rostock gründeten dann im Jahr 1259 den Wendischen Städtebund. Ihnen folgten weitere solcher Bündnisse in verschiedenen Regionen.

Die Hanse (Beck'sche Reihe)
  • Rolf Hammel-Kiesow
  • Herausgeber: C.H.Beck
  • Auflage Nr. 5 (31.12.2014)
  • Taschenbuch: 128 Seiten

Die Hanse in der Blütezeit

Doch die Konkurrenz durch englische, süddeutsche und italienische Kaufleute wuchs und machte es notwendig, dass die Hanse näher zusammenrückt. 1365 trafen sich daher erstmals die Vertreter fast aller Hansestädte zum sogenannten Hansetag. Dort wurden alle wichtigen Themen der Gemeinschaft besprochen und ein gemeinsames Vorgehen koordiniert.

Auch wenn man nicht von einer offiziellen Gründung sprechen kann, war dieser Hansetag jedoch das erste Mal, dass die Städte als Bund van der düdeschen hanse (von der deutschen Hanse) gemeinsam auftraten, um ihre Interessen zu vertreten. Dennoch blieb die Hanse auch nach dem ersten Hansetag eher lose organisiert.  Es existierten weder eine Verfassung noch Mitgliederlisten. Auch Hierarchien gab es nicht – der Hansetag kommunizierte ohne Umwege direkt mit den Mitgliedern in den einzelnen Städten.

Mit dieser geballten Macht genossen Hansemitglieder viele Privilegien. Doch diese mussten oft teuer erkauft werden. Auch Geld für die Verteidigung der Hansestädte gegenüber Feinden wurde benötigt. Um diese Kosten zu decken, mussten die Kaufleute und Städte ein Entgelt entrichten, wenn sie dem Bündnis beitreten wollten. Dieses Entgelt bezeichnete man ebenfalls als hanse oder auch henze.

Der Handel in der Hand der Hanse

In der Blütezeit der Hanse zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert waren über 200 Städte in dem Städtebündnis vertreten. Von den Niederlanden im Westen reichte das Gebiet der Hanse bis nach Estland im Osten und von Schweden bis Polen in der Nord-Süd-Achse. Heute entspricht dies einem Gebiet von sieben europäischen Staaten.

Der wirtschaftliche Einflussbereich der Hanse war während ihrer Blüte aber noch wesentlich größer: von Portugal bis Russland und Skandinavien bis Italien hatten die hansischen Kaufleute eine große wirtschaftliche Macht errungen. Der Handel in diesem großen Gebiet war zu der damaligen Zeit quasi ausschließlich in den Händen der Hanse.

Mit der wachsenden Macht der Hanse nahm auch ihr politischer und militärischer Einfluss immer mehr zu. Sie führte sogar Krieg, um ihre Handelsinteressen durchzusetzen. Entscheidungen, die auf den Hansetagen getroffen wurden, wirkten sich direkt auf das tägliche Leben der Menschen aus. Nicht wenige Kaufmannsfamilien konnten dank der Hanse ein Vermögen anhäufen und konnten so ihre Machtposition gegenüber des mächtigen Adels stärken – die Hansestädte wuchsen und florierten.

Die Hanse
Die Hanse und Lübeck – Wichtige Stadt zur Hansezeit

Die Niedergang der Hanse

In der Mitte des 15. Jahrhunderts begann der Niedergang der Hanse. Die Herrscher der angrenzenden Länder Dänemark, Russland und den Niederlanden gewannen an Macht und schränkten die bisher vorherrschenden Handelsprivilegien der Hanse immer mehr ein. Gleichzeitig gelang es Holländern und Engländern, sich immer mehr in den Handel einzumischen und waren so bald eine starke Konkurrenz.

Nicht zuletzt sorgte auch die Entdeckung Amerikas dafür, dass sich der Handel immer weiter auf Übersee erstreckte – der Konkurrenzkampf innerhalb der Hanse war vorprogrammiert. Die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten machten es für die Hanse immer schwieriger, gemeinsame Entscheidungen zu treffen. So zerfiel das Bündnis nach und nach immer mehr und büßte immer mehr seiner wirtschaftlichen Macht ein. Die Handelskontore an wichtigen Handelspunkten wie beispielsweise London mussten geschlossen werden. Der letzte der Hansetage fand 1669 in Lübeck statt.

Die Hanse
  • Rolf Hammel-Kiesow, Matthias Puhle, Siegfried Wittenburg
  • Herausgeber: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)
  • Auflage Nr. 2 (01.01.2015)
  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten

Die Hanse heute

Auch heute noch findet man überall Spuren der Hanse. Nicht nur in Gebäuden, sondern auch in kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und vielen weiteren Organisationen findet man noch Hinweise auf dieses geschichtsträchtige Bündnis. Viele Hansestädte tragen auch heute noch die Farben der Hanse – rot und weiß – in ihrem Stadtwappen (wie zum Beispiel Bremen, Lübeck, Rostock und Hamburg).

1980 wurde der „Städtebund Hanse“ gegründet – ein Netzwerk zwischen 187 Städten aus 16 Ländern, die zur historischen Hanse gehörten. Auch heute noch bemüht sich dieser um Kultur- und Traditionsaustausch, um die Geschichte der Hanse weiterzutragen. Jährlich finden in einer anderen ehemaligen Hansestadt die Hansetage statt. Und auch der Hafengeburtstag in Hamburg wird zum Gedenken an die Hanse jedes Jahr gefeiert.

Ganz neu ist auch das Europäische Hansemuseum in Lübeck, in dem die Geschichte der Hanse auf einem Areal von 12.000 m² erlebt werden kann. Ein Besuch lohnt sich – denn die modernen Eintrittskarten können je nach Interessengebiet programmiert werden. So kannst du dir deinen ganz individuellen Rundgang durch das Hansemuseum zusammenstellen.

So wird Geschichte rekonstruiert

Dass wir heutzutage so viel über die Geschichte der Hanse wissen, ist Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit zu verdanken, die sich unermüdlich auf Spurensuche begeben, um immer neue Details über das Städte- und Wirtschaftsbündnis zu erforschen. Dank Überlieferungen, Recherchen, Grabungen und Co. konnten bereits viele Informationen gewonnen werden, um die Bedeutung der Hanse zu damaliger Zeit zu rekonstruieren. Und mit jedem Fund steigt die Hoffnung, weitere Puzzleteile über diese bedeutende Zeit zusammenfügen zu können und so noch mehr über das Städte- und Wirtschaftsbündnis herauszufinden. Eines steht aber schon heute fest: die Hanse hat die deutsche Geschichte entscheidend geprägt.

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