Andere Länder, andere Sitten: Wie interkulturelle Kompetenzen deinen Arbeitsalltag bereichern

interkulturelle kompetenzen

Interkulturelle Kompetenzen sind in der Arbeitswelt zunehmend gefragt. Denn wer internationale Teams steuern oder im Ausland erfolgreich Geschäfte machen will, muss die kulturellen Feinheiten des jeweiligen Landes verstehen. Und das ist zuweilen gar nicht so einfach. Denn oft tauchen Fettnäpfe dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet. In diesem Artikel erhältst du Tipps, wie du dank interkulturellem Management auf internationalem Parkett mit Kompetenz punktest.

Interkulturelle Kompetenzen

Handschlag, Verbeugung oder ein lässiges „Hallo“ – über hop oder top beim internationalen Kontakt entscheidet oft schon die erste Begegnung. Während man sich in Europa, Südamerika und inzwischen auch in China bei geschäftlichen Terminen zur Begrüßung die Hand gibt, zählt in Japan weiterhin bis heute eine knappe Verbeugung zum guten Ton. Und Australiern reicht nach der ersten formellen Vorstellung oft ein kontaktloses „How are you?“.

Kommt man hierzulande bei Vertragsverhandlungen und Geschäftsgesprächen relativ zügig auf den Punkt, stellen Finnen oder Italiener der Arbeit oft vergnügliche Programmpunkte wie Saunagänge oder Opernbesuche voraus. Und auch der Blumengruß als Dankeschön ist nicht überall gern gesehen. So stehen beispielsweise in der Ukraine gelbe Blumen für bevorstehendes Unglück, weiße in Japan für den Tod.

Kulturelle Unterschiede gilt es zu erkennen und zu überbrücken. Dies ist in einer globalen Geschäftswelt längst nicht mehr Kür, sondern Pflicht. Erst recht in Deutschland. Immerhin sind wir nach wie vor Exportweltmeister. Und auch der branchenübergreifend steigende Fachkräftemangel sorgt dafür, dass die Belegschaft vieler Unternehmen immer internationaler wird.

Kein Wunder also, dass deutsche Vorstände und Personalverantwortliche künftig gesteigerten Wert darauflegen, dass ihre Mitarbeiter sich im internationalen Kontext sicher bewegen. Während Führungskräfte bei ihren Angestellten derzeit vor allem auf Kritikfähigkeit (76 Prozent) und Verhandlungsgeschick (79 Prozent) Wert legen, werden in zehn Jahren laut einer aktuellen Linkedin-Studie interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger werden. Schon heute wünschen sich 67 Prozent der befragten Führungskräfte Mitarbeiter, die auch über Sprachgrenzen hinweg adäquat kommunizieren können und dabei kulturelles Feingefühl beweisen. Bis 2027 wird die Nachfrage nach Fachkräften mit entsprechenden Skills der Umfrage zufolge um weitere acht Prozent steigen.

Kulturdimensionen

Doch wie eignet man sich interkulturelle Kompetenz an? Reicht im Zweifel ein kurzer Blick in den internationalen Business-Knigge? „Nein“, fand Kulturforscher Geert Hofstede und startete bereits vor mehr als 50 Jahren eine internationale Studie, um die Zusammenhänge zwischen nationaler und Unternehmenskultur zu analysieren. Dazu befragte er über 88.000 Angestellte in mehr als 50 Ländern zu ihrem Arbeitsalltag und wertete die Angaben anschließend aus. Auf Basis seiner Forschungen entwickelte Hofstede fünf unterschiedliche Kulturdimensionen.

  • Machtdistanz
    Das Maß an Machtdistanz drückt die Bereitschaft aus, ungleiche Machtverteilung in einer Gesellschaft hinzunehmen. Dabei steht ein hoher Wert für eine große Akzeptanz hierarchische Strukturen, ein niedriger für ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Während in asiatischen Länder eine hohe Machtdistanz herrscht, ist sie in westlichen Ländern wesentlich niedriger.
  • Individualismus/Kollektivismus
    Diese Kulturdimension unterschiedet, ob ein Mensch sich primär um sich selbst und seine nahen Verwandten kümmert (Individualismus) oder er sich als Teil einer größeren Gemeinschaft versteht. Asien, Afrika und Lateinamerika besitzen alle kollektiven Kulturen, hoch individualistische Gesellschaften finden sich insbesondere in den westlichen Ländern, besonders die USA.
  • Maskulinität/Feminität
    Diese Dimension unterscheidet zwischen „typisch weiblichen“ und „typisch männlichen“ Werten und beschreibt, wie sehr sich eine Gesellschaft auf die traditionelle Rollenverteilung einlässt. In Europa sind beispielsweise Deutschland und Großbritannien maskuliner als Schweden und Frankreich.
  • Ungewissheitsvermeidung/Unsicherheitsvermeidung
    Hierbei geht es darum, wie bedroht sich Angehörige einer Gesellschaft durch ungewisse oder unbekannte Situationen fühlen. Je höher der Grad der Unsicherheitsvermeidung, desto schwerer lassen sich Innovationen umsetzen. Das zeigt sich am Beispiel Chinas. Denn hier herrscht ein vergleichsweise niedriger Grad der Unsicherheitsvermeidung.
  • Langfristige-Orientierung
    Diese Dimension beschreibt, wie wichtig einer Gesellschaft traditionelle Werte sind. Langfristige Kulturen zeigen hohen Respekt gegenüber Traditionen und Loyalität, Kulturen mit einer geringen langfristigen Orientierung stellen dagegen Kreativität und individuelle Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt. China steht beispielsweise für eine stark langfristige Orientierung, während die USA für eine kurze einsteht.

Diese Dimensionen bündeln die kulturellen Unterschiede zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und bilden eine wichtige Grundlage für den Aufbau interkultureller Kompetenz.

Kulturbegriff

Grundsätzlich stellt sich die Frage: Was ist Kultur? Oft denken wir bei dem Begriff an die sogenannten „schönen Künste“. Doch Kultur umfasst viel mehr als nur Musik, Theater, Philosophie und Literatur – nämlich eigentlich alles, was im Gegensatz zur Natur vom Menschen geschaffen wurde. Zum Beispiel Bauwerke, Essen und Sprache, aber auch geistige Errungenschaften wie Recht, Wirtschaft, Religion und Wissenschaft. Kultur ist meist lokal oder regional verankert. Das bringt die Redewendung „Andere Länder, andere Sitten“ ziemlich exakt auf den Punkt. Und Soziologe Geert Hofstede definiert Kultur als „die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe von einer anderen unterscheidet“.

Dementsprechend sind kulturelle Unterschiede und das Verhalten auch im Geschäftsleben häufig Grund für Konflikte. „Bestenfalls sind sie ein kleiner Störfaktor, häufig jedoch der Grund für ein Desaster“, warnt Experte Geert Hofstede. Umso wichtiger ist es gerade für internationale Unternehmen, sich mit unterschiedlichen Mentalitäten und Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter und Geschäftspartner zu beschäftigen.

Vorteile für Unternehmen

Dementsprechend beschäftigt sich Interkulturelles Management auch nicht nur mit den klassischen „dos“ und „don’ts“ im internationalen Geschäftsleben. Vielmehr geht es darum, kulturbedingte Unterschiede in Arbeitsorganisationen sowie im Führungs- und Arbeitsverhalten von Menschen verstehen zu lernen, um auf dieser Basis eigene Handlungsweisen zu entwickeln. Ziel ist es, die unterschiedlichen Werthaltungen, Persönlichkeitseigenschaften und kulturellen Prägungen der Mitarbeiter aus verschiedenen Kulturkreisen gezielt einzusetzen.

Das gilt nicht nur für weltweit agierende Großkonzerne. Auch immer mehr mittelständische Betriebe ihre Geschäfte ins Ausland aus. Denn Import, Export sowie Transithandel bieten eine Vielzahl spannender Wachstumsmöglichkeiten. Wichtig ist dabei, dass Unternehmen Vor- und Nachteile einer Internationalisierung gut abwägen und ihre Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik an die jeweiligen Märkte anpassen. Und natürlich, dass sie ihre internationalen Mitarbeiter richtig motivieren und führen.

Das wiederum kann nur gelingen, wenn man versteht, dass Globalisierung nicht automatisch zur Standardisierung von Arbeitsprozessen und Lebensweisen führt. Natürlich rückt die Welt immer näher zusammen. Ein globales Dorf ist sie aber trotzdem nicht. Das zeigt sich im Privaten genauso wie im Geschäftsleben und äußert sich nicht nur in stereotypen Aussagen wie „deutsche Pünktlichkeit“ oder süddeutsche Gelassenheit.

Bis heute fertigen Amerikaner Autos nach anderen Standards als wir und auch bei Ökologie und Umweltschutz legen viele Nationen die Messlatte anders als die Bundesrepublik. Es bringt also nichts, dem anderen die eigene Position überzustülpen. Vielmehr geht es darum, Verständnis für die jeweilige Mentalität des Geschäftspartners oder Kollegen zu entwickeln – und zwar von der Chefetage bis zum Empfang.

Vorteile für Mitarbeiter

Deshalb sollten nicht nur Marketingmanager und Führungskräfte über entsprechende Skills verfügen. Wer ausländische Kollegen hat, für seinen Arbeitgeber international unterwegs ist oder sich für künftige berufliche Anforderungen fit machen will, sollte sich ebenfalls mit dem Thema befassen. Denn wer über interkulturelle Kompetenz verfügt, hat nicht nur am Arbeitsmarkt mit seiner Bewerbung bessere Chancen. Auch die tägliche Kommunikation in den meisten Jobs wird einfacher.

Beispiel gefällig? Stell dir vor, eine japanische Kollegin stößt neu zum Team dazu. An ihrem ersten Tag im Büro gehst du ihr freundlich entgegen, blickst ihr in die Augen und begrüßt sie mit einem festen Händedruck. Sie schaut dich aber überhaupt nicht an, sondern die ganze Zeit desinteressiert zu Boden. Keine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit – außer man weiß, dass Menschen im asiatischen Kulturkreis einer unbekannten Person genauso auf diese Art Respekt bezeugen. Und übrigens: Dein nett gemeinter Händedruck und der offene Blick könnten bei der fiktiven Kollegin ebenso falsch ankommen. Beides wird in Japan als aggressiv empfunden. Mit interkulturellen Kompetenzen wäre das nicht passiert. Sie helfen, solche Fettnäpfchen zu vermeiden.

Fazit: Interkulturelles Management geht jeden an

Die Globalisierung der Märkte bringt auch eine Internationalisierung von Unternehmen und Belegschaften mit sich. Damit die multinationale Zusammenarbeit reibungslos läuft, müssen Führungskräfte aber auch Mitarbeiter über große interkulturelle Kompetenz verfügen. Anderenfalls drohen Missverständnisse und Unstimmigkeiten, im schlimmsten Fall kann kulturelle Inkompetenz sogar lukrative Geschäftsmodelle oder Unternehmensfusionen zum Scheitern bringen. Auch deshalb wird das Thema interkulturelles Management auch hierzulande künftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Selbstlernkurs Interkulturelles Management

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Davon profitierst du unmittelbar: Anhand konkreter Beispiele und Tipps lernst du, deinen Kommunikationsstil adäquat an den Anforderungen anderer Kulturen auszurichten. Das hilft dir, in Gesprächen und Verhandlungen mit internationalen Geschäftspartnern den richtigen Ton zu treffen und Produkt oder Dienstleistungen weltweit erfolgreich zu vermarkten.

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