Betriebliches Umweltmanagement: So punktest du mit Nachhaltigkeit

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Den Wocheneinkauf aus dem Supermarkt in Plastiktüten nach Hause tragen? Für die Mehrzahl der Menschen hierzulande ist das keine Option. 82 Prozent der Bevölkerung benutzen dazu wiederverwendbare Körbe oder Taschen – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Auch in Sachen Mülltrennung und Wassersparen sind wir spitze. Aber wie sieht betriebliches Umweltmanagement in der Praxis aus?

Überblick

Viele Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung ebenso bewusst und investieren verstärkt in entsprechende Maßnahmen. In unserem Selbstlernkurs „Umweltorientiertes Management“ erfährst du, warum sich ganzheitlicher Umweltschutz für Unternehmen lohnt – und worauf du dabei achten solltest.

Der Großteil der Deutschen findet Umwelt- und Klimaschutz nicht nur wichtig, sondern setzt sich auch selbst dafür ein und ist auf der Suche nach Lösungen. Das hat das Bundesumweltministerium in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Demnach zählt bundesweit jeder Fünfte das Thema zu den wichtigsten Herausforderungen der Zukunft, drei Viertel plädieren für eine grundlegende Änderung unserer energie-, ressourcen- und abfallintensiven Wirtschafts- und Lebensweise.

Und gehen häufig selbst mit gutem Beispiel voran: So haben laut Studie 39 Prozent der Befragten schon einmal Ökostrom bezogen, mehr als 70 Prozent legen Wert auf möglichst energieeffiziente Haushaltsgeräte. „Die Idee der Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen“, resümiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Zeit für Nachhaltigkeit

Doch wie sieht es in der Wirtschaft aus? Lassen sich Wachstum und betriebliche Nachhaltigkeit wirklich unter einen Hut bringen? Und warum sollten Unternehmen überhaupt in Umweltschutz investieren? Klar ist: Klimawandel, Ressourcenmangel, strenge Compliance-Anforderungen sowie ein verändertes Konsumverhalten zwingen Unternehmen umzudenken. Nachhaltiges Wirtschaften mag heute vielerorts noch Kür sein. Künftig werden Klima- und Umweltschutz auch in der Industrie noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Immerhin wird die Notwendigkeit einer „nachhaltigen Entwicklung“ (sustainable development) weltweit bereits seit fast 30 Jahren diskutiert. Erstmals kam das Thema 1992 beim sogenannten Erdgipfel auf die Agenda. Rund 100.000 Vertreter aus 178 Staaten einigten sich hier auf gemeinsame Rahmenbedingungen für eine globale Entwicklungs- und Umweltpolitik. In Klimaschutzvereinbarungen wie dem Kyoto-Protokoll oder dem Pariser Abkommen bekennen sich fast 200 Staaten ihrer Verantwortung gegenüber Mit- und Umwelt, Mitmenschen und zukünftigen Generationen.

Reden ist Silber, Handeln ist Gold

Kein Wunder. Schon heute spüren viele Branchen die Auswirkungen des Klimawandels: Landwirtschaft und Tourismusindustrie leiden unter Stürmen sowie extremen Hitze- und Kälteperioden, global agierende Unternehmen fürchten klimabedingte Störungen ihrer globalen Liefernetze – und damit teure Produktionsausfälle. Weltweit erwartet inzwischen jeder zweite Betrieb, dass Klimafolgen die eigene Wertschöpfungskette innerhalb der nächsten fünf Jahre spürbar verändern werden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der norwegischen Risikomanagementberatung DNV GL.

Trotzdem wappnet sich nur jeder vierte dafür und implementiert entsprechende Maßnahmen. „Möglicherweise unterschätzen Unternehmen, wie dringend es ist, sich diesem Problem zu stellen“, folgert DNV GL-CEO Luca Crisciotti. Erst recht im Bereich internationaler Wertschöpfungsnetze. Immerhin werden nach Naturkatastrophen bis zu 70 Prozent der ökonomischen Schäden durch Betriebsunterbrechungen aufgrund ausgefallener Zulieferer verursacht.

Betriebliches Umweltmanagement

Sich rechtzeitig auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten, ist allerdings nur die halbe Miete. Industrie und Wirtschaft sind für Treibhauseffekt, Ressourcenmangel und Erderwärmung maßgeblich mitverantwortlich – und somit besonders in der Pflicht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In vielen Bereichen wie etwa beim Umgang mit gefährlichen Stoffen oder der Mülltrennung ist das inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Der Schutz der Umwelt bietet Unternehmen aber auch die Möglichkeit, das eigene Profil zu schärfen. „Die Allianz der Unternehmen, die im Klimaschutz nicht nur eine Belastung, sondern eine wirtschaftliche Chance sehen, wird größer und größer“, weiß Sabine Nallinger, Vorsitzende der Stiftung 2 – Deutsche Unternehmer für den Klimaschutz.

Eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt das: 75 Prozent der Unternehmen versprechen sich durch die Implementierung von Umweltmaßnahmen in der Organisation bessere Marktchancen, fast 90 Prozent ein grüneres – und somit besseres – Image. Nicht zuletzt deshalb gehen inzwischen viele Unternehmen über gesetzliche Vorgaben hinaus und mit einem betrieblichen Umweltmanagement freiwillig noch einen Schritt weiter.

Doch was verbirgt sich dahinter? Auf jeden Fall mehr, als nur Müll trennen und Kopierpapier sparen. Ganzheitliches Umweltmanagement berücksichtigt Energie- und Materialverbrauch, Emissionen, Abfall oder Abwasser ebenso wie Produktionsprozesse sowie das Verhalten von Mitarbeitern, Lieferanten und Partnern. Statt einzelne Maßnahmen isoliert voranzutreiben, bündelt ganzheitliches Umweltmanagement dabei sämtliche Umweltschutzaktivitäten. Die betriebswirtschaftliche Querschnittsaufgabe ist dabei in der Regel durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Mehrdimensionale Zielausrichtung
    Betriebliches Umweltmanagement zielt darauf ab, ökologische und ökonomische Ziele unter einen Hut zu bringen. Beispiel gefällig? Unternehmen, die auf energieeffiziente IT- und Produktionssysteme setzen, verbessern ihren CO2-Fußabdruck und reduzieren zugleich Energiekosten.
  • Funktionsübergreifender Charakter
    Betriebliches Umweltmanagement bezieht sämtliche Unternehmensbereiche und -prozesse ein. Damit das funktioniert müssen sowohl Unternehmensleitung als auch Mitarbeiter hinter der Idee stehen und sie mittragen.
  • Unternehmensübergreifender Charakter
    Betriebliches Umweltmanagement darf nicht an den Unternehmensgrenzen enden, sondern muss die gesamte Wertschöpfungskette in den Fokus nehmen. Kooperationen mit vor- und nachgelagerten Unternehmen (vertikale Kooperationen) sowie Mitbewerbern der gleichen Branche (horizontale Kooperationen) können dabei maßgeblich zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
  • Proaktivität
    Betriebliches Umweltmanagement basiert auf proaktivem Handeln. Statt auf vorgegebene Randbedingungen (z.B. Umweltrecht, Wettbewerber, öffentliche Meinung) zu reagieren, werden Lösungen und Maßnahmen frühzeitig umgesetzt – und nicht erst, wenn es gar nicht mehr anders geht.
  • Marktorientierung
    Betriebliches Umweltmanagement orientiert sich an den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung und stellt vor allem in gesättigten Märkten eine Differenzierungsmöglichkeit im Wettbewerb dar.

Schritt für Schritt zu ganzheitlichem Umweltschutz

Erster Schritt auf dem Weg zu einem ganzheitlichen betrieblichen Umweltmanagement ist die Umweltprüfung. Dabei werden sämtliche umweltrelevanten Unternehmensbereiche und Tätigkeiten – also die aktuelle „Umwelt-Ist-Situation“ des Unternehmens – erfasst. Nur so können später konkrete Umweltschutzmaßnahmen und -ziele definiert werden. Dabei kommen im Idealfall sämtliche Unternehmensbereiche auf den Prüfstand: Von Produktentwicklung und Produktion über Materialwirtschaft und Logistik bis hin zu Verwaltung und Vertrieb.

Anschließend geht es darum, konkrete Verbesserungspotenziale zu definieren und umzusetzen. Und zwar entweder durch Vermeidungs- oder Reduktionsmaßnahmen. Während zum Beispiel der Verzicht auf Plastikverpackungen eine Vermeidungsmaßnahme ist, zielen Reduktionsmaßnahmen beispielsweise darauf ab, CO2-Ausstoß und Stromverbrauch zu minimieren, verstärkt auf Recyclingprodukte zu setzen oder Transportwege zu optimieren.

Umweltmanagementsysteme

Um die unternehmensweiten Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zu koordinieren und zu belegen, empfiehlt sich ein Umweltmanagementsystem in der Organisation einzusetzen. Es ermöglicht, Schwachstellen in Unternehmen systematisch zu beseitigen, definiert Regelungen zu Planung, Ausführung und Kontrolle und legt Verantwortlichkeiten, Verhaltens- und Verfahrensweisen fest. Inzwischen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Umweltmanagementsysteme. Die bekanntesten sind die Umweltmanagementnorm ISO 14001 sowie das von der Europäischen Union entwickelte Eco-Management and Audit Scheme (EMAS).

Während die internationale Norm ISO 14001 weltweit akzeptiert ist, ist das Umweltmanagementsystem EMAS auf die EU beschränkt. Vor allem exportorientierte Unternehmen wählen deshalb meist die ISO-Norm. Wenn es jedoch darum geht, das grüne Image zu schärfen, bietet EMAS Vorteile. Das Verfahren verpflichtet Unternehmen, jährlich eine beglaubigte Umwelterklärung zu veröffentlichen – und somit aktiv über umgesetzte Maßnahmen und erreichte Ziele zu informieren. Dementsprechend ist EMAS zumindest hierzulande wesentlich öffentlichkeitswirksamer.

Welches Verfahren sich für ein Unternehmen anbietet, hängt also direkt von der jeweiligen Zielsetzung ab. Geht es eher um die Signalwirkung oder steht der Verbesserungsprozess im Vordergrund? Erst wenn du diese Frage beantwortet hast, lohnt es sich mit der Implementierung eines Umweltmanagementsystems zu beginnen. Ein Ansprechpartner zum Thema Umweltmanagement ist sinnvoll.

Selbstlernkurs Umweltmanagement

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Du möchtest wissen, wie du dein Unternehmen in den grünen Bereich bringst? Dann melde dich doch einfach für unseren Selbstlernkurs Umweltorientiertes Management an. Er bietet dir einen Überblick über das Thema und vermittelt umfassendes Wissen für Implementierung von Umweltmanagementsystemen. Du erfährst beispielsweise, wie sich Umweltprogramme zielgerichtet umsetzen lassen, was eine Umweltprüfung beinhaltet, welche Zertifizierung zu deinem Unternehmen passt und warum betrieblicher Umweltschutz sich auch wirtschaftlich lohnt.

Natürlich bietet der Selbstlernkurs auch konkrete Tipps zur Maßnahmenentwicklung und Marketingansätzen. Für nur 50 Euro kannst du dich innerhalb von sechs Monaten anhand praxisnaher Prüfungsaufgaben zum Umweltmanager weiterbilden und erhältst anschließend ein entsprechendes Zertifikat. Eine Investition, die sich lohnt. Nicht nur für die Umwelt!

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