Betriebliches Rechnungswesen: Wie du damit deine Karriere vorantreibst

betriebliches rechnungswesen

Trocken, unkreativ, langweilig – die Arbeit mit Zahlen gilt oft alles andere als spannend. Betriebliches Rechnungswesen ist dabei nicht nur ein vielschichtiges, sondern auch immens wichtiges Feld. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC Finance bestätigen das 82 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer. Doch nicht nur in der Buchhaltung und im Controlling brauchen betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse. Wirtschaftliches Denken und Handeln wird auch in Vertrieb, Marketing oder Einkauf vorausgesetzt. Und für Selbstständige und Gründerinnen und Gründer sind entsprechende Kenntnisse ohnehin unverzichtbar. Schließlich sind sie nicht selten Unternehmer/in, Finanzchef/in und Buchhalter/in in Personalunion.

Außerdem kann ein schlecht organisiertes Rechnungswesen Unternehmen teuer zu stehen kommen. Und zwar richtig teuer, wie das Magazin „Der Spiegel“ jüngst vorrechnete: Demnach entstand beispielsweise der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr allein aufgrund zu spät beglichener Rechnungen ein Verlust von mehr als 20 Millionen Euro. Warum? Offenbar hatte es bei der Zentralisierung der Kreditorenbuchhaltung in Berlin Schwierigkeiten gegeben, so dass sich dort zwischenzeitlich rund 90.000 Belege stauten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen mit den Buchungen nicht hinterher, Skontofristen verfielen. Inzwischen hat die Bahn eigenen Aussagen zufolge das Problem in den Griff bekommen. Doch das Beispiel zeigt: Betriebliches Rechnungswesen ist eine wichtige Stellschraube für den Unternehmenserfolg.

Überblick betriebliches Rechnungswesen

Zudem ist das Rechnungswesen einer der größten und wichtigsten Teilbereiche der Betriebswirtschaftslehre. Allerdings auch ein stark unterschätzter. Denn viele verbinden Rechnungswesen ausschließlich mit der Buchhaltung. Also mit der Bezahlung von Rechnungen (Kreditorenbuchhaltung) und dem Verbuchen von Zahlungseingängen (Debitorenbuchhaltung). Dabei umfasst betriebliches Rechnungswesen insgesamt vier unterschiedliche Aufgabenbereiche:

  • Das externe Rechnungswesen (Finanzbuchhaltung)
    zeigt sämtliche Vorgänge innerhalb eines Unternehmens nach außen auf und informiert anhand von Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechnung über Finanzen und Ertragslage. Die Grundlage dafür schafft eine ordentliche Buchführung. Sie liefert das Zahlenmaterial für die übrigen Bereiche des Rechnungswesens und ist damit der wichtigste Zweig des Rechnungswesens. Das externe Rechnungswesen wird über das Steuerrecht und das Handelsgesetzbuch (kurz HGB) geregelt.
  • Das interne Rechnungswesen (Controlling)
    richtet sich – wie der Name schon vermuten lässt – in erster Linie an interne Interessensgruppen, also beispielsweise Unternehmensleitung und Kontrollorgane. Während das externe Rechnungswesen sämtliche wirtschaftlichen Aspekte betrachtet, stellt das interne Rechnungswesen – auch Kosten- und Leistungsrechnung genannt – die Wertschöpfung in den Fokus. Anders gesagt: Das interne Rechnungswesen dient zur Kontrolle. Es erfasst sämtliche Produktions- und Vertriebskosten und hält so die Wirtschaftlichkeit der Unternehmensleistungen im Blick.
  • Die Statistik und Vergleichsrechnung
    hat die Aufgabe, die Zahlen von Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung aufzubereiten und daraus wichtige Informationen für die künftige Entwicklung des Unternehmens zu gewinnen. Meist werden die Ergebnisse in Form von Tabellen oder Grafiken dargestellt. So lassen sich mithilfe zugeordneter Kennzahlen beispielsweise Soll- und Ist-Umsätze, Ergebnisse oder Verfahren einfach miteinander vergleichen.
  • Die Planungsrechnung
    ermöglicht dem Unternehmen einen Blick in die Zukunft. Damit unterscheidet sich dieser Zweig von den übrigen Teilbereichen des betrieblichen Rechnungswesens. Denn Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung und Statistik befassen sich überwiegend mit der Analyse der Vergangenheit. Aufgabe der Planungsrechnung ist es dagegen, künftige betriebliche Entscheidungen auf Basis vorhandener Informationen und Erkenntnisse vorzubereiten.

Damit erfüllt das betriebliche Rechnungswesen zwei wichtige Aufgaben: Einerseits informiert es Außenstehende wie etwa Finanzamt, Banken oder Investoren detailliert über die eigene Situation, andererseits erleichtert es betriebsinterne Aufgaben, wie etwa die Erstellung von Forecasts oder Wirtschaftlichkeitsanalysen. Während das interne Rechnungswesen zur Kür erfolgreichen Wirtschaftens gehört, sind Unternehmen zum externen Rechnungswesen gesetzlich verpflichtet.

Externes Rechnungswesen im Detail

Umso wichtiger ist es für Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmer oder Selbstständige, die wichtigsten Werkzeuge einer ordentlichen Buchhaltung zu kennen. Dazu gehören beispielsweise

  • Buchführung
    Das Handelsgesetzbuch schreibt in § 238 jeder Kauffrau und jedem Kaufmann vor, „Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen […]“. Klingt erstmal gar nicht so kompliziert. Tatsächlich erfordert eine ordentliche Buchhaltung aber viel Aufmerksamkeit und Geduld. Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) ergeben sich vor allem aus Wissenschaft und Praxis, Rechtsprechung sowie Empfehlungen von Wirtschaftsverbänden. Die GoB zielt darauf ab, Kreditgebende und Unternehmenseigner vor unkorrekten Daten, Informationen und möglichen Verlusten weitestgehend zu schützen. Dementsprechend wichtig ist eine gut organisierte Buchführung. Sie muss sämtliche Geschäftsvorfälle dokumentieren – von der Portokasse über Kundenaufträge und Retouren bis hin Produktionskosten und Büromiete. Und zwar nicht irgendwie. Sämtliche Kosten und Erlöse müssen sowohl chronologisch als auch zweckgebunden erfasst werden. Weil das früher über zwei unterschiedliche Bücher geschah, spricht man bis heute von „doppelter Buchführung“. Inzwischen gibt es zum Glück elektronische Buchhaltungsprogramme, die das übernehmen. So müssen Buchhalterinnen und Buchhalter Geschäftsvorfälle nur noch einmal erfassen und können sie per Knopfdruck auf den richtigen Konten verbuchen.
  • Kontenrahmen
    Welches die richtigen Konten für die jeweiligen Buchungen sind, ist im individuellen Kontenplan des Unternehmens festgelegt. Er definiert unterschiedliche Bilanz- und Erfolgskonten und basiert in der Regel auf einem allgemeingültigen Ordnungsschema, dem sogenannten Kontenrahmen. Das Unternehmen filtert aus diesem meist branchenspezifisch aufgebautem Kontenrahmen die für das eigene Geschäft relevanten Konten heraus und stellt so seinen eigenen Kontenplan zusammen. Das erleichtert die Bewertung der Ergebnisse immens. So lassen sich darüber beispielsweise aktuelle Zahlen mit denen vergangener Jahre oder anderer Unternehmen mühelos vergleichen, individuelle Buchungskonten klar und übersichtlich strukturieren. Die Verwendung eines Kontenrahmens empfiehlt sich also, ist aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.
  • Inventur und Inventar
    Die jährliche Inventur ist eine weitere Grundlage für eine ordnungsgemäße Buchführung. Denn nur wenn bekannt ist, welche Vermögensgegenstände (Maschinen, Materialien, Bargeld) und welche Schulden (Verbindlichkeiten, Kredite) in einem Unternehmen vorhanden sind, lassen sich der Unternehmenswerte und -ergebnisse fundiert ermitteln. Das Ergebnis der Inventur nennt der Buchhalter Inventar. Es umfasst den Gesamtbestand der erfassten Vermögensgegenstände und Schulden und bildet die Basis für die Geschäftsbilanz. Einfach gesagt: Die Inventur ist die Zählung, das Inventar das Ergebnis.
  • Bilanz
    Und dieses Ergebnis wiederum fließt in die jährliche Handelsbilanz ein, die jede Unternehmerin und jeder Unternehmer einmal im Jahr erstellen muss. Sie stellt zu einem fest definierten Stichtag die sogenannten Akitva (Vermögensgegenstände) den Passiva (Eigen- und Fremdkapital) gegenüber, enthält aber im Gegensatz zum Inventar keine Mengen-, sondern ausschließlich Wertangaben. Wichtig: Der Wert der Aktiv-Seite muss mit dem der Passiv-Seite übereinstimmen.
  • Abschlüsse
    Die Bilanz bildet die Grundlage für den Jahresabschluss, der laut Handelsgesetzbuch ebenfalls einmal pro Jahr fällig ist. Der Jahresabschluss bemisst den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens und stellt damit die Grundlage für zukünftige Planungen und Entscheidungen dar. Außerdem können sich Außenstehende darüber Einsicht in die finanzielle Lage des Unternehmens verschaffen. Und das Finanzamt legt auf dieser Basis die Unternehmenssteuer fest. Wer sein Geschäft engmaschiger im Blick halten will, kann entsprechende Auswertungen natürlich auch in kürzeren Abständen vornehmen. Monats-, Quartals- oder Halbjahresabschlüsse sind in großen Konzernen heute gang und gäbe – aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Karrieresprung durch Buchhaltungswissen

Du merkst: Wer Bilanzen erstellen, Bücher führen und unternehmerische Entscheidungen treffen will, sollte sich in der Welt der Zahlen gut auskennen. Erst recht, weil es ständig neue Compliance-Vorgaben gibt, der wirtschaftliche Wettbewerb immer härter wird und die Verantwortung der Finanzabteilung kontinuierlich wächst. Vor allem aber auch, weil der Fachkräftemangel der Finanzwirtschaft zunehmend Sorgen bereitet. Die überwiegende Mehrheit (89 Prozent) der deutschen Finanzchefinnen Finanzchefs sind deshalb gewillt, offene Stellen in der Finanzabteilung mit Quereinsteigern zu besetzen.

Selbstlernkurs „Betriebliches Rechnungswesen“

Ein guter Grund, um dein betriebswirtschaftliches Know-how zu erweitern und unseren Selbstlernkurs „Rechnungswesen Basic“ zu belegen. Er vermittelt dir umfassendes Wissen zu

  • Aufgaben und Gliederung des Rechnungswesens

    Rechnungswesen Basic: Unser Selbstlernkurs für Anfänger
  • Vorschriften zur Buchführungspflicht
  • Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung
  • Buchführungsorganisation
  • Inventur, Inventar und Bilanz
  • Jahresabschluss und Erfolgsermittlung sowie
  • Buchungssystematik und Zusammenhang der Konten

Zudem bietet der Kurs zahlreiche praktische Übungen, mit denen du deine Lernfortschritte auf den Prüfstand stellen kannst.

 

 

Wann und wie du dich im betrieblichen Rechnungswesen fit machst, entscheidest du selbst. Für nur 50 Euro kannst du sechs Monate lang uneingeschränkt auf sämtliche Kursunterlagen und Prüfungsaufgaben zugreifen und so dein Lerntempo selbst bestimmen. Wenn du den Kurs erfolgreich abgeschlossen hast, erhältst du ein Weiterbildungszertifikat. Und hast damit schwarz auf weiß, dass du dich im betrieblichen Rechnungswesen auskennst.

Darüber hinaus bieten wir noch den betreuten Kurs „Rechnungswesen Expert“ an. Dort lernst du die Grundlagen der Rechnungslegung kennen und die Jahresabschlüsse in einem Unternehmen oder Konzern kennen. Und das auch noch nach deutschem und internationalem Recht.

Du willst mehr? Dann schau dir unsere Kurse „BWL Basic“ und „BWL Expert“ an. Sie bieten einen umfassenden Überblick über BWL-Methoden und vermitteln detailliertere Einblicke in betriebswirtschaftliche Anforderungen.

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