Digitale Hochschulen: Rolf Granow im Interview

Wir bestellen über Amazon, planen unsere Termine in digitalen Kalendern und steuern die Heizung unserer Wohnung per App – die Digitalisierung ändert wie wir leben, arbeiten und einkaufen. Und auch die Art und Weise, wie wir lernen, unterliegt einem Wandel durch die Digitalisierung. Online-Weiterbildungen und sogar ganze Online-Studiengänge erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Doch nicht nur die Entwicklung digitaler Bildungsangebote ist ein relevantes Thema. Es ist auch wichtig, dass Bildungsangebote wie eine digitale Hochschule entwickelt werden, die uns inhaltlich auf den Umgang mit der digitalen Welt vorbereiten. Denn nur wer die richtigen Kompetenzen hat, wird auch zukünftig nicht den Anschluss verlieren, wenn gänzlich neue Anforderungen an Arbeitnehmende gestellt werden und sich ganze Berufsbilder ändern. Wir haben mit Prof. Dr. Rolf Granow gesprochen, einem Pionier der digitalen Bildung. In diesem Blogartikel erfährst du von ihm viele spannende Infos rund um die Themen Digitalisierung der Bildung, insbesondere von Hochschulen, und erhältst einen Überblick darüber, welche Kompetenzen im Zuge des digitalen Wandels immer wichtiger werden.

Überblick Rolf Granow im Interview

Die Hochschullandschaft hat sich in den letzten Jahren gewandelt wie noch nie. Mit der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen wurden die Abschlüsse international vergleichbar gemacht und so für viele Absolventinnen und Absolventen die Tür zu einer internationalen Karriere geöffnet.

Und der Wandel geht weiter – momentan ist es die Digitalisierung, die die Hochschullandschaft vor große Herausforderungen stellt. Bisher geht diese Entwicklung allerdings nur schleppend voran. In ihrem aktuellen Hochschul-Bildungs-Report stellen der Stifterverband und die Unternehmensberatung McKinsey fest, dass das jetztige System noch nicht optimal ist, um Lernende auf die Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft vorzubereiten.

Zwar lässt sich ein Wandel der Hochschul- und Bildungssysteme erkennen. Trotzdem ist der digitale Wandel der Systemanpassung immer einen Schritt voraus. Was heute noch aktuell ist, ist morgen quasi schon wieder veraltet. Die Frage ist also, wie sich Hochschul- und Weiterbildungssysteme zukünftig weiterentwicklen müssen und worauf der Fokus gelegt werden sollte. Wie sollte jeder einzelne die Herausforderungen des digitalen Wandels angehen, damit wir die Chancen der Digitalisierung komplett ausschöpfen?

Wer könnte diese Fragen besser beantworten als unser ehemaliger Geschäftsführer und Pionier der digitalen Bildung Professor Dr. Rolf Granow? Wir haben ihn interviewt und uns mit ihm über das Studium der Zukunft unterhalten.

Das Studium der Zukunft: Die Digitalisierung der Bildung

Wie alle anderen Bereiche im Leben, wandelt sich auch die Hochschullandschaft durch die Digitalisierung. Ein Aspekt dabei ist natürlich die Digitalisierung der Lehre, also dass die Lehrinhalte beispielsweise über das Internet abgerufen werden können. Viel wichtiger ist jedoch laut Rolf Granow, dass die Lernenden Kompetenzen entwickeln, um optimal auf die digitalisierte Berufswelt vorbereitet zu sein. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass sie auch im Laufe ihrer Karriere nicht den Anschluss verlieren und den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten können.

Der Hochschul-Bildungs-Report beispielsweise zeigte auf Basis einer Arbeitsmarktanalyse, dass bis zu 95.000 Datenspezialisten fehlen. Dies zeigt die Verantwortung der Hochschulen, maßgeblich zu einer Bildung beizutragen, die Digitalkompetenen vermittelt, um nicht nur die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern, sondern auch selbstbestimmt den digitalen Wandel zu vollziehen.

Lebenslanges Lernen als Grundlage

Rolf Granow ist sich diesbezüglich sicher: Lebenslanges Lernen nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Denn die Zyklen, in denen sich Neuheiten des digitalen Wandels vollziehen und in denen wir unsere Qualifikationen erneut anpassen müssen, werden immer kürzer. Um also auch zukünftig nicht den Anschluss zu verlieren, sollte jeder motiviert sein, sich die neusten Kompetenzen anzueignen.

Allerdings ist solch ein lebenslanges Lernen nicht möglich, wenn Berufstätige – vielleicht sogar mit Familie – dafür immer wieder an eine Hochschule zurückkehren müssen. Daher müssen die Möglichkeiten orts- und zeitunabhängige Weiterbildungen neben Beruf und Familie  in den Alltag zu integrieren, erweitert werden. Mit einem Präsenzstudium wird die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Weiterbildung nur sehr schwer oder gar nicht gelingen. Ein Online-Studium hingegen bietet durch seine Flexibilität Möglichkeiten, alles unter einen Hut zu bringen. Damit öffnet die Virtuelle Fachhochschule (VFH) neue Wege für das lebenslange Lernen.

Wie genau funktioniert die Virtuelle Fachhochschule?

Die VFH ist ein Verbund aus 12 Fachhochschulen aus Deutschland und der Schweiz. Gemeinsam bieten sie 18 länderübergreifende Bachelor- und Masterstudiengänge an, die akkreditiert sind. Studierende werden an einer Fachhochschule ihrer Wahl immatrikuliert. Die Lehrinhalte sowie die Betreuung teilen sich die Fachhochschulen gemeinsam. Durch die gemeinsame Arbeit wird ein höheres Qualifikationsniveau erreicht, als es jeder einzelnen Hochschule möglich wäre.

Agilität und Digitalisierung: Hochschulen im Strukturwandel

Generell wir das gemeinsame Arbeiten immer wichtiger, um Wissen und Kompetenzen zu bündeln. Die Hochschullandschaft muss instituts- und disziplinübergreifend denken und ihre Prozesse entsprechend organisieren. Besonders wichtig ist hier laut Rolf Granow das Thema Agilität. Es muss versucht werden, komplexe Aufgabenstellungen zu vereinfachen, Prototypen schnell auf die Beine zu stellen und die User Experience, also das Kundenerlebnis, als zentralen Ausgangspunkt bei allen Überlegungen zu legen.

Doch gerade in den veralteten Strukturen wird laut Rolf Granow die Durchsetzung von Agilität schwierig sein. Er sieht es daher als sinnvoller an, neue Organisationen und Strukturen zu ermöglichen, um das moderne Arbeiten effektiv voranzubringen.

Digitalisierung der Hochschule vs. digitale Hochschule

Doch was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen der Digitalisierung der Hochschule und einer digitalen Hochschule? Bisher waren die Versuche darauf ausgerichtet, das bestehende System zu befähigen, den Herausforderungen der digitalen Transformation gerecht zu werden – also über strukturelle Neuansätze nachzudenken.

Die interessantere Frage sieht Rolf Granow allerdings in dem Punkt, was Hochschulen in einer digitalisierten Gesellschaft und Wirtschaft sind. Die fachübergreifenden Kompetenzen verändern sich mit den verfügbaren Technologien. Die digitale Transformation hat einen massiven Einfluss darauf, welche Arbeitsprofile entstehen und welche Qualifikationen gefordert werden. Hier kommt die digitale Hochschule ins Spiel. Denn sie spezialisiert sich darauf, Studiengänge zu fördern, die sich auf die Vermittlung von Digitalkompetenzen fokussiert. In Zukunft sollte jede/r wissen, was Informatik ist und wie sie funktioniert – unabhängig vom eigenen Beruf. Denn alle neuen Systeme unserer Gesellschaft bauen darauf auf.

Fazit

Bei oncampus arbeiten wir jeden Tag mit viel Motivation und Leidenschaft dafür, dieses digitale Denken voran zu treiben und die digitalen Kompetenzen zu fördern. Ein großer Schritt dahin war die Entwicklung unserer „World of Learning“, unserer Plattform für alle, die Lust auf modernes Lernen haben und sich fit für die Digitalisierung machen wollen. Bei der Entwicklung unserer Lernplattform stand für uns die User Experience an erster Stelle – und zwar im gesamten Prozess, vom ersten Kontakt bis zum Abschluss des Kurses. Denn nur so konnte wirklich etwas geschaffen werden, das unsere Kundinnen und Kunden mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt.

Schau doch mal auf www.oncampus.de vorbei und tauche ein in deine ganz persönliche „World of Learning“.

Noch mehr zu Rolf Granow

Professor Dr. Rolf Granow ist Professor der Technischen Hochschule Lübeck, Leiter des Bundesleitprojektes Virtuelle Fachhochschule, Gründer des Hochschulverbundes „Baltic Sea Virtual Campus“ und ehemaliger Geschäftsführer der oncampus GmbH.

1997 schrieb das Bundesministerium für Bildung und Forschung die finanzielle Förderung von Projekten aus, welche das Internet und Multimedia für innovative Aus- und Weiterbildungsangebote an Fachhochschulen vorsah. Im Rahmen des Wettbewerbs wurde das Projekt der Virtuellen Fachhochschule gefördert. Die Technische Hochschule Lübeck ist hierfür treibende Kraft. Deren Tochtergesellschaft oncampus GmbH bietet E-Learning-Services für den Hochschulverband Virtuelle Fachhochschule an.

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