Soziale Kompetenz in der Arbeitswelt 4.0 – So kannst du sie entwickeln!

Soziale Kompetenz in der Arbeitswelt 4.0

Mit der Arbeitswelt 4.0 ändert sich auch die Rolle von Führungskräften – weg vom klassischen Bild der oder des „Befehlsgebenden“ hin zu einer Person, die ihren Mitarbeitenden ermöglicht, ihre Arbeit unter bestmöglichen Bedingungen erledigen zu können. Dafür braucht es vor allem soziale Kompetenz, denn nur so gelingt es Führungskräften, alle Mitarbeitenden im Team zu integrieren und das Potenzial aller zu entfalten. Unsere Gastautorin und Coach Anke Lüneburg zeigt dir in diesem Artikel, wie du in fünf Schritten deine soziale Kompetenz verbessern kannst.

von Anke Lüneburg

Soziale Kompetenz: Fünf Schritte zu klarer Kommunikation, Empathie und Veränderungsfähigkeiten

Möchtest du gern Verantwortung in deinem Betrieb übernehmen? Vielleicht sogar ein Team führen? Dann gibt es wichtige Punkte zu beachten, denn Arbeit wird heute schon häufig ohne detaillierte Anweisungen erledigt, sondern durch Mitarbeitende, die selbst denken und selbständig handeln können – und es auch wollen. Vielleicht gehörst du auch dazu?

Führungskräfte werden demnächst andere Rollen übernehmen, z. B. die der Dienstleisterin oder des Dienstleisters. Sie sollen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden ihre Arbeit möglichst gut erledigen können – Befehl und Gehorsam wird der Vergangenheit angehören.

Wie kannst du also als zukünftige Führungskraft oder als schon aktive Projektleitung vorgehen, um sozial kompetent zu agieren?

Schritt 1: Klare Kommunikation lernen

Wenn du mit anderen zusammenarbeiten oder sogar andere führen willst, solltest du klar ausdrücken können, was du als Leitung von ihnen erwartest. Du solltest Ziele klar vermitteln können, Teambesprechungen gut vorbereiten und durchführen, Menschen mögen und Konflikte lösen können. In der heute sich schnell verändernden und komplexen Arbeitswelt solltest du bereit sein für Veränderungen und mit vielen unterschiedlichen Leuten im Team umgehen sollen, also eine gewisse Weltoffenheit mitbringen.

Schritt 2: Die Bereitschaft, weitere soziale Kompetenzen zu lernen und anzuwenden

Der autoritäre Führungsstil läuft aus – und was kommt dann? Mit sozialen Kompetenzen hast du neben deinem Fachwissen, deinem Methodenkompetenzen und dem Wissen über dich selbst alles, was du brauchst, um gut zu führen und deine Mitarbeitenden mitzunehmen.

Wenn du sozial kompetent bist, kannst du

  • dich auf neue Kolleginnen und Kollegen im Team einstellen
  • die Konsequenzen deines Verhaltens auf das Team erkennen
  • deine Ziele klar darstellen und dein Team zum Erreichen der Ziele motivieren
  • Dinge entscheiden
  • dich für Kolleginnnen und Kollegen bzw. Mitarbeitende einsetzen, z.B. vor den eigenen Vorgesetzten
  • das Team zusammenschweißen (also keine Keile zwischen Mitarbeitende treiben)
  • deine Erwartungen an Mitarbeitende äußern
  • dich durchsetzen, ohne andere abzuwerten
  • erkennen, welche Absichten Menschen haben (denn sie sagen ja nicht immer offen, was sie denken)
  • die Bedeutung und die Funktion verschiedener Rollen in einem Team erkennen und z.B. für einen sozialen Rollenträger („Kümmerer“) oder einen „Controllerin bzw. Controller“ sorgen
  • Konflikte sehen und lösen (und nicht aussitzen!)
  • dich um unauffällige, stille Mitarbeitende kümmern und deren Arbeitsleistung dem Team und anderen deutlich machen
  • Initiative entwickeln, auch wenn es nicht deinen eigenen Bedürfnissen entspricht (z.B. einen Betriebsausflug mit dem Team machen, wenn es die Zusammenarbeit verbessert, auch wenn das nicht so dein Ding ist).

Schritt 3: Nutzen der sozialen Kompetenzen erkennen

Wenn du diese Fähigkeiten erarbeitet hast, z.B. durch Workshops, persönliches Coaching oder Online-Kurse wie z.B. bei oncampus; Führen in der Arbeitswelt 4.0: Besser führen durch klare Sprache , dann bist du fit als Führungskraft und kannst deine Aufgaben leichter als vorher erledigen.

Du verhinderst dann durch das Nutzen deiner neuen Fähigkeiten, dass Mitarbeitende deinen Betrieb verlassen oder ein hoher Krankenstand entsteht. Warum?

Viele deiner Mitarbeitenden sind Wissenstragende. Sie haben also ihr Kapital im Kopf. Wenn sie gehen, entsteht ein großes Defizit, oft sogar ein wirtschaftlicher Verlust, weil Aufträge sich verzögern oder Kundschaft sogar mitgeht. Das ist nicht nur bei IT-Mitarbeitenden so, sondern auch im Kundendienst, in der Hotellerie – überall, wo ein Betrieb davon profitiert, dass Kundinnen und Kunden persönlich betreut werden. Wenn Mitarbeitende den Eindruck haben, dass der Informationsfluss schlecht ist, sie nicht mit einbezogen werden oder für ihre Arbeit nicht anerkannt werden, dann gehen sie – und nehmen ihr Wissen mit.

Wenn du sozial kompetent führst, kannst du auch den Krankenstand senken und psychische Erkrankungen reduzieren (die übrigens seit Jahren steigen, siehe hier), die nicht immer, aber oft durch schlechte Unternehmens- und Führungskulturen entstehen.

Schritt 4: Werde eine echte Persönlichkeit!

Was ist eine „echte Persönlichkeit“? Persönlichkeit hat nichts mit dem Alter zu tun, denn auch ein Kind kann schon eine Persönlichkeit sein – auch du!

Was gehört also zu einer echten Persönlichkeit?

Auf alle Fälle Verantwortungsbereitschaft und Mut, um z. B. schwierige Entscheidungen zu fällen. Dann eine gute Fehlerkultur, damit nicht nur du, sondern auch deine Mitarbeitenden Fehler machen dürfen.

Sei authentisch! Arbeite ohne Maske, denn wenn du dich verstellst, arbeitest du unter großer Anspannung, während dein Team spürt, dass du nicht du selbst bist. Dadurch entstehen Komplikationen in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit, während gleichzeitig bei dir physische, ggf. auch psychische Probleme entstehen können.

Wenn du eine echte Persönlichkeit bist, interessierst du dich für Menschen, kannst zuhören ohne aufs Handy zu gucken oder dich gedanklich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Du vertraust deinen Mitarbeitenden, kümmerst dich um Probleme im Team, erkennst Konflikte und versuchst, sie zu lösen. Natürlich willst auch du Erfolg haben – aber zusammen mit dem Team. Sie denkst zukunftsorientiert und engagierst sich für das Wohl aller.

Übrigens: Defizite in sozialen Kompetenzen bei Führungskräften macht sich bemerkbar durch Fehlervertuschungen, Schuldzuweisungen, Arroganz, unveränderbare Meinungen, Unfähigkeit, Kritik anzunehmen, Anschreien, viel reden ohne andere zu Wort kommen zu lassen, im Mittelpunkt stehen wollen, Abwertung anderer und Ablenkung von eigenen Problemen. Das Profilieren auf Kosten anderer führt wie beschrieben zu Kündigungen insbesondere guter Mitarbeitender.

Schritt 5: Deine Sozialkompetenz trägt zur Verbesserung der Gesellschaft bei

Du hast es bestimmt auch erlebt: In der Gesellschaft wird (äußere) Stärke bewundert, häufig haben egozentrische Persönlichkeiten Erfolg als Führungskraft, auf laute Menschen wird gehört…

Es gibt aber auch eine andere Entwicklung: Wissenschaftler haben festgestellt, dass Persönlichkeiten mit hoher Sozialkompetenz ebenso zum Unternehmenserfolg beitragen. Dazu kommt: Seit einigen Jahren sind agile Betriebe und agiles Führen gefragt: Selbstführende Teams, Führungskräfte in der Rolle der Dienstleistenden, mit der Methode Scrum erfolgreich arbeiten, Design Thinking nutzen – all das ist ohne soziale Kompetenzen von Führungskräften und Mitarbeitenden nicht möglich.

Trage dazu bei, dass Führen mit sozialen Kompetenzen selbstverständlich wird, dass Mitarbeitende ebenfalls lernen, sozial kompetent zu arbeiten – und dass alle dieses Wissen in die Gesellschaft tragen.

Arbeitswelt 4.0: Besser führen durch klare Sprache

In diesem Artikel hast du schon einmal einen ersten Einblick erhalten, warum Sozialkompetenz als Führungskraft so wichtig ist und wieso es sich für dich lohnt, an deinen sozialen Kompetenzen gezielt zu arbeiten. Wenn du das Thema spannend findest und noch mehr zum sozial kompetenten und agilen Führen lesen möchtest, schaue auch mal bei Autoren wie Heike Bruch, Swetlana Franken, Asmus J. Hintz, Torsten Schrör oder Reinhard K. Sprenger vorbei – hier gibt es jede Menge guten Input!

Besser führen durch klare SpracheMehr zum Thema Kommunikation als Führungskraft gibt’s außerdem im Online-Kurs „Arbeitswelt 4.0: Besser führen durch klare Sprache“. Hier lernst du, wie du deine Erwartungen äußern und Menschen mit angemessener Kommunikation steuern kannst – und das auch, wenn es mal stressig wird. Du lernst außerdem mehr über die Sprache und Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung und über das Führen von Gesprächen und die Moderation von Teams. Außerdem gibt es Input zu den Themen Konfliktmanagement und Klarheit der Sprache als Erfolgsfaktor. Ein wirklich guter Kurs also, um weiter an deiner Sozialkompetenz zu arbeiten!

Die gute Nachricht für alle, die in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein arbeiten: Im Rahmen des Testphase unseres Projektes Tourismus 4.0 steht dir dieser (und viele weitere Kurse zur Zukunft des Tourismus) noch bis Ende des Jahres kostenlos zur Verfügung. Melde dich einfach hier an und dich erwartet nicht nur dieser Kurs, sondern auch noch viele mehr, bei denen es um die Herausforderungen geht, die die Digitalisierung für die Tourismusbranche mit sich bringt. Module gibt’s zum Beispiel zu den Themen Social-Media-Marketing, Data Management, Online-Bewertungsportale oder Blockchain. Schau doch einfach mal vorbei!

Für alle anderen ist noch ein klein wenig Geduld gefragt: Sobald die Kurse nach Ablauf der Testphase für alle zugänglich sind, werden wir dich natürlich informieren!

Über die Autorin

Anke Lüneburg ist Diplom-Betriebswirtin und zertifizierte Coach, Beraterin und Trainerin im Bereich Führung, Selbstführung, Berufsstrategie und Potenzialentwicklung. Sie bringt über 20 Jahre Führungserfahrung als Managerin, Unternehmerin und Ausbilderin in verschiedenen Branchen mit.

Anke Lüneburg ist nebenberuflich Lehrbeauftragte an der FH Westküste in Heide/Holstein mit den Schwerpunkten Führungskompetenzen und Psychologische Theorien in Unternehmen. Ebenso ist sie als Autorin aktiv: Sie schreibt Online-Module für Masterstudiengänge und für die oncampus GmbH, z. B. die neuen Module für Führungskräfte aus dem Tourismus: „Arbeitswelt 4.0: Führung, Selbstführung und Kommunikation“.

Zum Thema Führung und Selbstführung ist 2018 bei Springer Fachmedien ein Buch von ihr erschienen: „Auf dem Weg zur Führungskraft. Die innere Haltung entwickeln“.

Gefördert durch das Landesprogramm Schleswig-Holstein
Möglich wird das kostenlose Kursangebot „Tourismus 4.0 in Schleswig-Holstein“ durch die Förderung aus dem Landesprogramm Arbeit Schleswig-Holstein mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Das Landesprogramm Arbeit ist das Arbeitsmarktprogramm der Landesregierung für die Jahre 2014-2020. Schwerpunkte sind die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften, die Unterstützung bei der Integration von Menschen, die es besonders schwer haben, in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen und die Förderung des Potentials junger Menschen. Das Landesprogramm Arbeit hat ein Volumen von etwa 240 Millionen Euro, davon stammen knapp 89 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Mehr darüber findest du hier.

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