Women Empowerment am Arbeitsplatz

Was haben Queen Elisabeth II., J. K. Rowling, Heidi Klum und Taylor Swift gemeinsam? Ja – sie sind weiblich. Aber was verbindet die vier Frauen noch? Genau, sie sind extrem bekannt! Wenn wir über einflussreiche Frauen sprechen, fällt oft der Begriff „women empowerment“, was kurz die Stärkung von Selbstbestimmung, Eigenmacht und Unabhängigkeit weiblicher Menschen bedeutet.

Was hat sich in diesem Bereich über die letzten Jahre getan? Warum ist es gerade im beruflichen Kontext für Frauen immer noch schwer als Gründerin oder in der Führungsetage eines Unternehmens durchzustarten? Was kann dagegen getan werden? Für Antworten – einfach weiterlesen!

Was genau ist eigentlich Women Empowerment?

Obwohl oder gerade weil der Begriff Women Empowerment momentan einer der meistdiskutierten ist, gibt es keine einheitliche Definition. Genauso sieht es beim Begriff Empowerment aus. Natürlich kommt es auch immer auf den jeweiligen Kontext an, in dem der Begriff verwendet wird. Die Welthungerhilfe beschäftigt sich mit Women Empowerment vor allem im Sozialen und im Bereich der Bildung und definiert sie folgendermaßen:

„Women Empowerment bedeutet, Frauen und Mädchen weltweit Chancengleichheit zu bieten, Bildung zu erhalten und respektiert zu werden. Es geht um die Förderung von Frauen im sozialen sowie wirtschaftlichen Bereich und um die Stärkung ihres Selbstvertrauens. Empowerment of Women heißt gleichzeitig, Hürden zu überwinden und Geschlechterrollen aufzulösen, die vielen Frauen im Weg stehen, ein eigenständiges Leben zu führen.“

Übersetzt bedeutet Women Empowerment soviel wie „Ermächtigung der Frauen“. Ziel ist dabei, Frauen und Mädchen die Möglichkeit zu geben, alles zu tun, was auch Männer und Jungen tun können. Und das ohne vermehrte Schwierigkeiten aufgrund ihres Geschlechts. Leichter gesagt als getan. In der Theorie klingt das alles so leicht. Zwei Maßnahmen der letzten Jahre sind beispielsweise eingeführte Frauenquoten in Aufsichtsräten oder das Kündigungsschutzgesetz von Schwangeren. Trotzdem fühlen sich viele Betroffene in der Praxis immer noch eingeschränkt.

Wie sieht’s aktuell in Deutschland aus?


Betrachtet man die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt, fällt schnell auf: Frauen sind immer noch leicht unterrepräsentiert. Zahlen des Statistischen Bundesamts aus 2019 belegen: Der Abstand bei der Erwerbsbeteiligung zwischen Frauen und Männern hat sich seit 1999 (43,6%) zwar verringert, bleibt jedoch seit 2013 konstant. 2019 waren 46,6 % der Erwerbstätigen weiblich. Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 50,8 % ein relativ geringer Wert. Wird der Anteil an Frauen in Führungspositionen betrachtet, sieht die Lage noch dramatischer aus. Nur etwa jede dritte Führungskraft in deutschen Unternehmen war 2019 eine Frau.

Was schränkt Frauen ein? – Beispiel Arbeitswelt


Was möchtest du später einmal werden? Stellt man diese Frage Mädchen im Kindergartenalter, würde man wahrscheinlich viele Antworten wie: Prinzessin, Sängerin, Tierärztin oder Lehrerin erhalten. Natürlich wünscht sich ein kleines Mädchen noch nicht CEO einer erfolgreichen Firma mit tausenden Mitarbeitenden zu werden oder als Gründerin durchzustarten. Trotzdem können schon unsere Vorstellungen von Arbeit im Kindesalter Einfluss auf unseren späteren Job haben. Unser ganzes Leben über werden wir bewusst oder unbewusst von geschlechterspezifischen Rollenerwartungen beeinflusst. Bei bundesweiten Aktionstagen, wie dem Zukunftstag, werden Mädchen und auch Jungen ermutigt in Berufe und Unternehmen hinein zu schnuppern, in denen ihr Geschlecht noch unterrepräsentiert ist. Weibliche Elektrikerinnen und Männer in der Pflege oder im Kindergarten? Kein Problem!

Was ist aber jetzt, wenn du Elektrikerin werden möchtest, aber dich zeitgleich um den Haushalt und deine Kinder kümmern musst? Eine weitere Einschränkung, der Frauen auf dem Arbeitsmarkt begegnen, ist die Arbeitsteilung mit dem Partner. Wer behält seine Vollzeitstelle, wenn das erste Kind da ist? Wer kümmert sich um die pflegebedürftigen Eltern? Auch, wenn sich die Lage in den letzten Jahrzehnten schon etwas verbessert hat, ist es in den meisten Fällen immer noch die Frau, die diese unbezahlte Sorgearbeit übernimmt und ihren Beruf hintenanstellt. 2017 betrug der Gender Care Gap (Sorgearbeitslücke) 52,4%. Was dieser Prozentsatz bedeutet? Frauen verbrachten 2017 52,4% mehr Zeit damit, Angehörige zu Pflegen oder sich um den Haushalt zu kümmern als Männer – unbezahlt.

Einer der Gründe weshalb Frauen sich häufiger gegen eine berufliche Karriere entscheiden als ihre Partner ist die Lohnungerechtigkeit – auch als Gender Pay Gap bezeichnet. Dieser beschreibt die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und dem von Männern. Frauen in Deutschland haben laut unbereinigtem Gender Pay Gap im Jahr 2021 pro Stunde durchschnittlich 18 % weniger verdient als Männer. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich das Statistische Bundesamt. Wichtig dabei: Der Unterschied zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist strukturbedingt. Also auf folgende Gründe zurückzuführen:

  • Frauen arbeiten öfter in Branchen, die schlechter bezahlt sind (z.B. sozialer Bereich)
  • Frauen erreichen seltener die gut bezahlte Führungsebene
  • Frauen sind häufiger in Teilzeit oder auf Minijob-Basis angestellt
  • Frauen unterbrechen häufiger ihre Erwerbstätigkeit (Mutterschaft, Kindererziehung, Pflege Angehöriger)

Kritiker und Kritikerinnen sehen die unbereinigten Werte als überschätzt an. Die Erwerbsbiographien unterscheiden sich zwar erheblich, jedoch beruhe das Lohngefälle auf den freien und individuellen Entscheidungen der Frauen selbst. Demgegenüber steht die Tatsache, dass die häufigere Unterbrechung der Arbeit von Frauen – beispielsweise aufgrund der Kindererziehung – einer der Gründe für ein vergleichsweise geringeres Einkommen ist. Und dieses sich wiederum damit begründen lässt, dass Frauen häufiger zuhause bleiben und dieser Sorgearbeit überhaupt erst nachgehen. Ein Teufelskreis?

Der bereinigte Gender Pay Gap ist hingegen der Wert, der nach Abzug der strukturellen Unterschiede übrig bleibt. Etwa ein Viertel des unbereinigten Lohngefälles. Woraus ergibt sich dieses restliche Viertel? Eine große Rolle spielen hierbei Klischees! Ähnlich wie bei den Berufswünschen kleiner Mädchen und Jungen haben geschlechterspezifische Rollenerwartungen auch auf dem Arbeitsmarkt erheblichen Einfluss. Experimentelle Studien zeigten, dass die Leistungsfähigkeit von einer Mitarbeiterin häufig als geringer eingeschätzt wird als die von einem Mitarbeiter mit gleichen Qualifikationen. Dies führt zu geringeren Lohnhöhen.

Sieht es in der Start-Up Welt besser aus?


Ein Start-Up ist ein junges, noch nicht etabliertes Unternehmen, welches eine neue Geschäftsidee verwirklichen will. Klingt ja erst mal nach einem ziemlich innovativen und fortschrittlichen Konzept. Aber auch die Welt der Start-Ups ist größtenteils männlich dominiert. Der Frauenanteil bei Start-Up Gründungen liegt dem Female Founders Report nach in Deutschland bei nur 11,9%.

Doch woran liegt das? Zum Teil an der Erziehung. Hattest du in deiner Kindheit die Freiheit, dich frei kreativ auszuleben? Wurdest du auch als Mädchen ermutigt, die Bohrmaschine in die Hand zu nehmen oder dich in einem Boxstudio anzumelden? Wenn ja, stehen die Chancen vielleicht besser, dass du dir als Frau die Gründung eines Unternehmens vorstellen kannst. Studien zufolge vertrauen Mädchen aber insgesamt weniger in ihre eigenen Fähigkeiten. Das kann Konsequenzen für ihr späteres Berufsleben haben und den Schritt in die Selbstständigkeit erschweren.

Neben gesellschaftlichen Hürden stoßen weibliche Gründerinnen auf weitere Schwierigkeiten. Da gibt es zum Beispiel das Problem mit der Investoren- und Investorinnenlandschaft. Die ist männlich dominiert.

„Männer geben Männern Geld. Diesen Mechanismus müssen wir durchbrechen“ (Katharina Hefter, Boston Consulting Group).

Es gibt eine Tendenz das eigene Geschlecht bei der Verteilung von Kapital zu bevorzugen. Somit haben von Frauen gegründete Start-Ups schlechtere Chancen auf Investitionsgelder. Außerdem haben Gründerinnen seltener Zugriff auf große Investorennetzwerke. So müssen sie sich häufiger auf staatliche Förderungen oder auf das Geld von Familienmitgliedern und Bekannten verlassen.

Um an Geld zu kommen, muss die eigene Start-Up Idee natürlich erst mal von möglichst vielen Menschen gesehen werden. Zum einen, um das Interesse von möglichen Geldgebern und Geldgeberinnen zu wecken, aber auch um mögliche Kundschaft zu gewinnen. Und auch hier wird es weiblichen Gründerinnen nicht gerade leicht gemacht. Der Female Founders Report fand heraus, dass Start-Up Unternehmen mit rein weiblicher Führung zum Beispiel weniger Aufmerksamkeit in den Medien bekommen. Da kann das Konzept noch so innovativ sein – Interviews, Werbespots und Co. gehen trotzdem oft an Männerteams.

Was kann nun getan werden?


Das sind schon ganz schön viele Hürden, denen Frauen auf dem Arbeitsmarkt begegnen. Aber bei weitem nicht alle! Der Vollständigkeit halber sei hier noch einmal erwähnt: Auch Männer werden auf dem Arbeitsmarkt aufgrund verschiedenster Gründe unterschätzt oder diskriminiert. Da es aber in diesem Artikel speziell um die Thematik „Women Empowerment“ geht, folgen ein paar Ideen und Vorschläge, alle Frauen unter euch zu pushen!

Was kannst du selbst tun?


An den Lohnunterschieden, die nach wie vor in vielen Bereichen zwischen Männern und Frauen bestehen, kannst du persönlich nur bedingt etwas ändern. Checke vor dem Gehaltsgespräch deinen persönlichen Marktwert. Dafür gibt es verschiedene Tools, wie den StepStone Gehaltsplaner. Ein gerechtes Gehalt hängt zum Beispiel von deiner Ausbildung und deiner bisherigen Berufserfahrung ab. Setze dir vor dem Gespräch mit deiner Chefin oder deinem Chef eine feste Gehaltsgrenze, die du nicht unterschreiten möchtest. Fordere dein Wunschgehalt ein und überlege dir im Vorfeld Argumente, die dieses rechtfertigen. Ähnlich wie vor einem Bewerbungsgespräch kannst du dir deine Stärken noch einmal vor Augen führen oder dir dabei Hilfe von Kolleginnen und Kollegen oder Menschen aus deinem privaten Umfeld holen.  Wenn du neu bist, suche vorher den Austausch mit einer anderen Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter, um zu erfahren, wie genau ein Gehaltsgespräch in der Firma abläuft und womit du rechnen solltest.

Wenn du trotz Kindern beruflich nicht zurückstecken möchtest, solltest du frühzeitig mit deinem Partner oder deiner Partnerin über eure Arbeitsteilung sprechen.  Tauscht euch aus, welche Stellenprozente ihr euch bei der Arbeit vorstellen könnt und berechnet die Auswirkungen auf euer monatliches Budget. Versucht bei eurem Arbeitgeber ein familienfreundlicheres Anstellungsverhältnis zu erlangen – mit flexibleren Arbeitszeiten, Homeoffice oder bestimmten Regelungen während der Ferienzeiten.

Bei der Arbeitsteilung im Haushalt und bei der Kindererziehung können verschiedene Listenmodelle bei einer gerechten Organisation helfen.

Was können Unternehmen tun?


Neben familienfreundlichen Anstellungsverhältnissen können Unternehmen Frauenquoten einführen und damit dafür sorgen, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. Dies sorgt für mehr Gerechtigkeit innerhalb der Firma, kann aber auch die Außenwirkung des Unternehmens verbessern. Das Image wird aufpoliert und weitere Mitarbeiterinnen zu einer Bewerbung motiviert.

Im Bereich der Start-Ups gibt es auch einige Möglichkeiten, um Frauen bei einer Gründung zu unterstützen. Immer mehr Netzwerke speziell für Gründerinnen versuchen der männlich dominierten Investorenlandschaft etwas entgegenzusetzen. Der Verband Deutscher Unternehmerinnen setzt sich zum Beispiel bereits seit über 65 Jahren für das weibliche Unternehmertum ein. Im eigenen Investorinnen-Netzwerk können sich Investorinnen, Unternehmerinnen und Investment-Interessierte zusammenschließen und voneinander profitieren.

Auch das 2018 gegründete Business-Netzwerk nushu setzt sich für mehr Weiblichkeit in der Wirtschaft ein. Die Hamburger Gründerinnen Melanie Schütze und Bernadette Brysch des Netzwerks beschreiben es als „Gegenentwurf zum Old-Boys-Network!“ und machen damit klar, dass ein Umdenken stattfinden muss. Neben direkten Kontakten quer durch die Branchen in alle Hierarchien bietet das Team einen individuellen Support an. Auf verschiedenen Events der eigenen nushu academy können sich die Mitglieder weiterbilden und für ihre eigene Arbeit inspirieren lassen.

Neben speziellen Frauennetzwerken gibt es Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, Start-Ups – egal ob männlich oder weiblich geführt – zu unterstützen. GATEWAY 49 ist ein Start-Up-Accelerator (Beschleuniger) aus Lübeck, der Start-Ups in den Feldern Life Science, Food, Smart City, Logistik oder neuen digitalen Technologien voranbringt. Weibliche Gründerinnen sind bei GATEAWAY 49 mit 51% (3. Batch) und 40% (4. und aktuellen Batch) vergleichsweise öfter vertreten als im allgemeinen Durchschnitt. Auf die Frage, wie der Frauenanteil unter den Gründerinnen allgemein weiter erhöht werden kann, antwortete Stefan Stengel, Programm Manager & Co-Founder bei GATEAWAY 49: „Frauen motivieren und Vorzeige“-Gründerinnen in die Öffentlichkeit bringen.“

Ein Beispiel dafür ist das weiblich geführte Start-Up „Haferkram“, welches durch GATEAWAY 49 unterstützt wird. Die beiden Gründerinnen Nina und Carlotta entwickelten eine pflanzliche Joghurtalternative auf Haferbasis aus dem Mehrwegglas. Unter anderem mit einem Image-Film hilft GATEWAY 49 dem Start-Up dabei, ein größeres Publikum zu erreichen und zugleich andere Frauen zum Gründen zu motivieren.

Auch oncampus setzt auf women empowerment


Wie du siehst, gibt es viele Möglichkeiten Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen oder sie sogar zum Gründen zu inspirieren! Lust bekommen? Dann schau mal in unseren Selbstlernkursen vorbei. Passend zu diesem Blogbeitrag bietet der Kurs Women’s Entrepreneurship weitere Einblicke in das weibliche Unternehmertum, welchen Hindernissen Frauen in der Führungsetage begegnen und was dagegen getan werden muss.

women empowerment am Arbeitsplatz

 

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